Die Fresken der Casa Bartholdy. —
Ihr Verhältnis zur Zeitkunst. 219
sich eine Schar von jungen Männern bewußt in einen Gegensatzzur höchsten Kunstvollendung stellte, nicht als Neuerer, sondernals Verächter, nicht um sich selbst, sondern um eine von ihnenverehrte alte Zeit als unfehlbar an die Stelle alles anderen znsetzen. Wenn je die Ablehnung kecker Neuerungen berechtigt war,so hier!
Und doch hat Cornelius Recht behalten. Das Flammen-zeichen weckte den edlen Aufruhr! Das folgende Geschlecht nanntedie Bilder epochemachend, zählte vou ihneu aus die neue Zeit-rechnung der deutschen Kunst. Carstens, der einst als NeuererGefeierte, sank zum Vorläufer herab, Meugs wurde gänzlich vomThrone der Verehrung gestoßen, das Rokoko und das Barock ver-fielen der Verachtung, ja dem Zerstörnngseifer. Man nannte esZopf. Und wer den Zopf abschnitt, war ein gebildeter Mann.
Wir Nachlebende aber müssen die Kunst der Casa Bartholdybetrachten etwa wie die Äginetischeu Bildwerke oder den Giottound seine Zeit. Wir können sie nicht schlechthin, sondern nur ausder Zeit beurteilen, wollen wir ihnen gerecht werden. Und da sindsie denn ein Stück des Entwickelungsganges, ein Ende ebensosehr,wie ein Anfang, wie jedes irdische Ding. Ein Ende, ein Er-gebnis der Kunstanschauung, die den Inhalt über die Form stellte,oder richtiger den litterarisch gefundenen Gedanken über die künstle-risch empfundene Darstellung. Hierin sind sie die Früchte derkatholischen Reform und ihrer Unterordnung der Kunst unter denlehrhaft-kirchlichen Zweck uud der wisseuschastlichen Aufklärung, derHerrschaft des geschriebenen Wortes. Die Kunst selbst war in derKunst schwach geworden, seitdem sie nicht mehr erzählen, sondernErzähltes darstellen wollte; der Künstler hatte verlernt, die Stoffe insich zu suchen, weil von allen Seiten ihm fertige Vorwürfe sichanboten. Man hatte ganz und gar aufgehört, dekorativ zu arbeiten,das heißt das Bild in den Raum hineinzudenken. Was sollte imHause des preußischen Generalkonsuls die Lebensgeschichte Josefs?War es das, was die Künstler thatsächlich beschäftigte, die so vielvon ihrem Glauben sprachen, so ganz im katholischen Gedanken-kreis sich eingelebt hatten? Dazu der Lärm? Um eine alttestamen-tarische Geschichte in Bildern nachzuerzählen, für welche der Jude,