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V. Die Romantiker.
der Protestant wie der Katholik gleichmäßig sich einsetzen konnte:dazu der Übertritt zum Katholizismus!?
Ein Ende war die nachahmende Richtung der Darstellung.Es war nichts neues damit erreicht, daß man den Kreis der Nach-ahmung erweiterte, an Stelle der späten Renaissance der Carracci und des Tintoretto die frühe Renaissance, Masaccio und LucaSignorelli , als die wahre Kunst hinstellte. Dadurch hatte wohldie äußere Form, nicht aber der künstlerische Gehalt sich geändert.Nur in einem lag ein Fortschritt: In der Notwendigkeit Neues zuverarbeiten. Solange die Alten nicht erreicht waren, solange mannoch nicht alles, was die Zeit aus ihnen zu ziehen vermochte,entlehnt hatte, solange sie noch ein fernes, erhofftes Ziel darstellten,war das Streben nach ihnen geistig anregend. Mit dem Erreichendes Zieles endet die Bedeutung aller nachahmenden Kunst.
Ein Anfang war, daß der Einzelne im Nachahmen einer neueuRichtung sich freier geben konnte; daß es einer Vertiefung bedürfte,um die fremde Form zu erlernen, und daß diese nur dadurch er-reicht werden konnte, daß die Künstler zur Natur zurückgriffen.Aber vergleicht man, was sie vorher geschaffen hatten, die merk-würdig ernsten realistischen Studien, Arbeiten von unvergleichlicherTreuherzigkeit und Redlichkeit, so sieht man auch alsbald, wie bitterder Verlust war, der Rom diesen jungen Männern brachte, Rom und der Katholizismus. Sie bengten sich unter die idealistischeForm, sie machten in ihrer selbständigen Entwicklung Halt, nmsich vor der Größe fremder Mächte zu neigen; sie waren ein Ichgeworden und lernten nun zu wünschen, ein Du zu sein. DerAnfang eiuer neuen Kunst, der sich in Deutschland gezeigt hatte,dessen beste Kräfte znm Schaden des Deutschtums zwischen dieSteiue der römischen Kunstmühle, der alles verschlingenden, allesverkleinernden gerieten, wnrde unterbrochen durch das Wieder-auftauchen der Abhängigkeit vom Alten. Die Kritik fand dasMittel, die junge Kunst zu verstehen, weil sie aufgehört hatte, einewahrhaft individuelle, rein künstlerische sein zu wollen. Mau hobdie in Fesseln geschlagene jnbelnd auf die Schultern, denn nunverstand man sie erst, seitdem sie wieder der idealistischen Ästhetik sichuntergeordnet hatte, seitdem man sie an ihren Fesseln messen konnte.