Die Frömmigkeit. — Overbcck als katholischer Künstler. 223
äußerliche Schönheit zu legen schienen. Er war mit den Meistern,welche man heute naiv nennt, recht übel umgegangen; ihm schienensie keineswegs so. Und wenn man die Deutschen von 1800,welche ans ihren Kleinstädten kamen, mit den Florentinern von1500 vergleicht, darauf achtet, aus welchen staatlichen und gesell-schaftlichen Kämpfen beide hervorgingen, so mnß der Geschichts -tundigc voil 1900 darüber lächeln, daß man in Weimar oderDresden glaubte, die Florentiner als biedere Leute von obenherab beurteilen zu dürfeu. Der in seinem Lebenskreis Beschränkteverstand nicht einmal das in einem gewaltigen Kampfe sich ent-wickelnde, großstädtische, aufreibende Treiben des alten Florenz , desRom der großen Nenaissaneezeit; er sah nicht, wie es einem Bottieelliin allen Gliedern prickelt vor Nervosität, wie in einem Peruginoselbst schon die Frömmigkeit dahin führt, daß er auf ältere Kuustzurückgreift, absichtlich die alte von ihm für würdiger gehalteneArt den nach Neuem strebenden jungen Florentinern entgegensetzt;daß Rasacl uur solange in dieser altertümlichen Kunst beharrte,bis er in Rom einsah, daß die Kirchenhüupter auf die Innigkeitdes religiösen Ausdruckes gern verzichteten, wenn sie dafür einengelehrten Inhalt uud Schöuheit erlaugeu konnten.
Seit Overbeck 1813 zum Katholizismus übergetreten war,fand er in diesem sein volles Glück. Er sprach es selbst aus, daßer durch seine Werke die Seelen im Glauben nnd in der Andachtstarken wolle, und daß er hierin seinen höchsten Ruhm sehe. SeinSchaffen ist Gebet, Gebet um das eigene und im Sinne der gutenWerke um das Heil anderer. Ihm ist die Lehre der Kirche völligins Blut übergegangen, daß das Bild Wert erhält durch die inihm verwirklichte, anschaulich gemachte Heilswahrheit; daß die künst-lerische Leistung uicht um ihrer selbst willeu Bedeutuug hat, sondernnur deshalb mit Anstreuguug geleistet werden soll, weil sie eineOpferhandlung ist, ein Opfer des Besten, was im Menschen ist,dargebracht am Altar der Kirche. Keiner hat es je gewagt, anseiner reinen Frömmigkeit, an der Lauterkeit seiner in Überzeugungschlummernden Seele zu zweifeln, seine Milde und Hingabe an denGlauben als unecht, gemacht hinzustellen. Overbeck neigte sichin Bewunderung vor Fra Angelico , keiner war ihm verwandter in