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fikat der Künste im Frankfurter Mnseum. Er erklärte es selbstmit Worten; so die Reihe von Künstlerbildnissen im unterenFelde des Bildes. Mit Michelangelo schließt für Overbeck dieReihe der gottgefälligen Künstler. Er habe von der Bewunderungder Antike sich hinreißen lassen, diese als neuen Götzen in seinerSchule aufzurichten; nnd Rasael fühlte sich nicht sobald in derKraft seiner auffassenden Gaben, als ihm auch gelüstete, die Handnach dem Verbotenen auszustrecken, uud die Schranken der Gottes-furcht ihm lästig wurden. Und so wurde denn die Sünde derApostasie in der Kunst um eben diese Zeit au vielen Orten zu-gleich vollbracht, indem man nicht mehr Gott dem Herrn mit derKunst dienen, sondern sie selber auf den Altar stellen wollte. Undbillig traf nach Overbecks Überzeugung solche Sünde der Gott-vergessenheit auch alsbald die Strafe der Gottverlassenheit, so daßwir mit Stauneu die Küuste plötzlich in einen Verfall geratensehen, der uns mit größerem Widerwillen erfüllt als die Erzeug-nisse irgend einer roheren Zeit. Ihm haben die neueren Meisterwohl küustlerisches Verdienst, aber sie haben keinen Nanm uuterden Mustern der christlichen Kunst. Also nicht Rubens , der Malerder Jesuiten , nicht Murillo, der Maler der siegreichen Inquisitionmit aller seiner Inbrunst, nicht Gnido Reni mit seiner weichenThräuenseligkeit, nicht die Vollender von St. Peter, in dem derPapst sein höchstes Amt vollzog, und stolz war, es dort zu vollziehen.
Das Bild ist 1840 vollendet worden. Die katholische Kirche hatte schwere Kämpfe hinter sich. Der Orden, der sie aus denWirren der Reformationskämpfe mit unerhörter Kraftänßeruugherausgerissen hatte, die Jesuiten , hatten das unwandelbare Kirchen-system auch noch im 18. Jahrhundert, obgleich mit schwindenderiuuerer Kraft verfochten. Dem Drängen, namentlich der romani-schen Staaten, erst Portugals, dann Frankreichs, Spaniens ,Siziliens folgend, hatte 1793 Papst Clemens den Orden aufgelöst.Überall meldeten sich die Bestrebungen, Nationalkirchen an Stelleder allgemeinen zu schaffen, die Kirche im Sinne der Aufklärungzu wandeln; bis die französische Revolution die Lehre als Privat-sache erklärend, die Kirche völlig zu verdrängen, die Priester demStaat unterzuordnen suchte. Napoleon schien berufen, noch einmal