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ein Avignou zu schaffen, die Kirche einem Staate dienstlich zumachen. Der Papst wurde gezwuugen, nach Frankreich zu kommen,die Franzosen herrschten in Rom , die Zeit der babylonischen Ge-fangenschaft schien wieder anzubrechen. Das war die Zeit, daOverbeck sich mit der Sehnsucht nach dem Katholizismus erfüllte.Seit dem 24. Mai 1814 war Pius VII. wieder iu Rom , nahmwieder Besitz vom heiligen Stuhl und stellte deu Orden Jesuwieder her, damit er zum zweiten Male den Wiederaufbau derKirche beginne. Nachdem die Neuernngssucht die Welt in Kampf,Krieg und Verderben gestürzt, war man ihrer müde; das Alte,Überlieferte, Ehrwürdige sollte wieder auf den Thron gesetzt werden;die weichherzige Lehre oon der Duldung bekämpft werden. Dennder gläubige Katholik hält die Abtrünnigkeit von der Lehre für einVerbrechen, für ein Verscherzen des höchsten menschlich-ewigenGutes: Und wer, dem es ernst ist um das Wohl der Menschen,kauu andere in dieser furchtbaren Gefahr für ihr Heil hinwandelnsehen, ohne helfend einzugreifen, ohue den vernichtenden Feind zubekämpfen!
So stand Overbeck in seiner Jugend mitten in der allgemeinenStrömung im Katholizismus. Man erkannte in ihm sehr wohleinen wichtigen Mitkämpfer. Aber das dauerte nicht eben lange.Sobald die Kirche sich wieder gesammelt und befestigt hatte, wurdesie sich auch ihrer alten Grundsätze der Knnst gegenüber bewußt.Mau dachte uicht daran, den fürs Mittelalter schwärmenden Deutschenzu beschäftigen, man kümmerte sich wenig um die Begeisterung desMalers, der in romantischem Idealismus nie aufhörte ein leru-begieriger, folgsamer Jüngling zu sein. Die Kirche teilte nicht dieSchwärmerei für das 15. Jahrhundert und that recht daran, dennes war wahrlich für sie kein glückliches gewesen. Sie teilte anchnicht die Begeisterung für das Mittelalter, nicht einmal fürdessen Kunst. Es wurde auch jetzt in Rom keine gotische Kirchegebaut, denn Rom war auch jetzt wieder in erster Linie der Sitzdes päpstlichen Staates, die Hauptstadt des Nachfolgers derImperatoren. Es war Overbecks Schicksal, daß er in der Geradheitund Nnwandelbarkeit seines lauteren Wesens ein mystisch schwär-mender Deutscher blieb. Schou einmal waren der Kirche solche
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