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V. Die Romantiker.
Anhänger lästig geworden. Man erinnerte sich der Tage des Ekkart,Tauler , Heinrich Suso, Johann Ruysbroek und der Gottesfreunde.Man wußte, daß die Kirche gegen ihre Lehre mit dem Verdammungs-urteil mehrfach hatte vorgehen müssen; mau hatte gesehen, wie diespiritualen Separatisteuvereiue sich aus der Übertiefe der Grübeleiherausgebildet, die Kirche in Lärm und Sorge gestoßen, endlich dieReformation geweckt hatten. Diese Richtung war es nicht gewesen,die der Kirche das Heil brachte, wie man es in Rom verstand.Rom selbst hat ihr nie gehuldigt. Und auch jetzt empfand sich Rom zuerst als politische Macht, welche sehr rasch mit dem protestantischenund selbst mit dem katholischen Deutschland in Streit geriet; manwar dort keineswegs der Ansicht, daß die nachrafnelische Zeit einegottverlassene, und daß die vorrafaelische, mystische die wahrhaftchrist-katholische sei. Man kannte die Mystiker besser als diedeutschen Kunstschwärmer; man lächelte wohl über diese in ihrertäppisch-blasierten Begeisterung, in ihrer über die neuesten Errungen-schaften nicht hinausschauenden Wissenschaftlichkeit, wenn man las,wie sich in den Köpfen der Jnngen die großen Geisteskämpfe desMittelalters so kindlich, so naiv als ein Werfen mit lyrischem Zucker-zeug darstellten; wenn man die ungeheuren Kämpfe der Ordens-stifter um Selbstreinigung im Vergleich mit dem Klosterleben insich selbst verliebter deutscher Künstler betrachtete. Rom hatte auchmit Overbecks Kunst wenig, eigentlich nichts zu thun. Abgesehenvon dem Roseuwundcr des heiligen Franziskus an der Schauseitevou S. Maria degli Angeli zu Assisi (1829) ist keines der Haupt-werke des Meisters von der römischen Kirche bestellt worden.In England, in Mexiko, in Lübeck, in Köln sind wohl Bilder vonihm auf protestautischeu uud katholischen Altären aufgestellt worden:keine römische Kirche besitzt ein solches. Vielfach waren die Krän-kungen, die er gerade von dem heiligen Stuhl erfuhr. ErstPins IX. und zwar in der Zeit seiner liberalen Ansäge gab ihmAuftrüge für den Vatikan . Wohl wurde er Präsident der römischenAkademie, aber auf das, was in Rom für die Kirche geschaffenwnrde, hatte er keinen maßgebenden Einfluß. Er blieb den Italienernein Fremder. Denn die Kirche, die sich wieder aufrichtete, that diesim Anschluß an das 16., nicht an das 13. und 14. Jahrhundert.