Nom und Overbeck. —
Wischers Kriük.
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Sie sah ein, daß nicht die Zeit auf frauenhafte, kindliche Frömmig-keit, sondern auf männliches, planmüßiges, politisches Handeln hin-wies. Nicht Franz von Assisi in seiner munderbar hingebendenMenschlichkeit, sondern Jgnaz von Loyola mit seinen auf innereKräftigung uud auf zielsicheres Wollen gerichteten Reformbestrebnngengab der verjüngten Kirche den Inhalt. Und Jgnaz von Loyolawar kein Freund der Kunst gewesen, er hatte in ihr gleich demTridentiner Konzil nur eiu Mittel gesehen, äußerlich auf dieMenschen zu wirken, sie zu belehren, sie dnrch Darstellung derschrecklicheil Leiden der Heiligen zu erschüttern, sie zur Bewunderungüber dereu leidenden Widerstand gegen jede Anfechtung hinzuweisen.Nicht die mittelalterliche Kirche, sondern die, welche den dreißig-jährigen Krieg vorbereitete, die das Jnfallibitätsdogma anstrebte,ward in Rom gewaltig.
Das Bezeichnende aber an Overbecks Kunst ist, daß sie sichganz in die Zeit vor der Kirchenspaltung versetzt, daß sie trotzaller Begeisterung für Italien samt dem Meister doch deutsch bleibt.Auf das Ausland übte Overbeck mancherlei Einfluß, namentlich aufdas protestantische England . Ford Madox Brown sah das Magni-fikat der Künste auf der Staffelei und wnrde durch das Bild inseiner Erkenntnis als Prärafaelit bestärkt. Aber er malte nichtHeiligenbilder, sondern hielt sich an den nationalen Shakespeareund durch ihn an die Natur. Er malte in seinem gewaltigenBilde Arbeit das 19. Jahrhundert in seinen Bestrebungen.
Gegenüber den philosophischen Strömungen in Deutschland war Overbecks Vorgehen kühn: es widersprach ihnen vollkommen.Bischer trat ihm 1841 mit der vollen Überzeugung wissenschaftlicherKlarheit gegenüber, indem er ihm zurief, die Reformation habe,wenn auch unvollständig iu ihrer Kirche, doch durch ihre in Wissen-schaft und Weltbilduug vollendeten Durchführung den Olymp desMittelalters ein für allemal rein ausgeleert. Unser Gott, sagt er,ist ein immanenter Gott; seine Wohnung ist überall und nirgend;sein Leib ist nur die ganze Welt, seine wahre Gegenwart Menschen-geist. Diesen Gott zu verherrlichen ist für Bischer die höchste Auf-gabe der uenereu Kuust. Er will die Geschichte als Schauplatz dersittlichen Mächte, die Wnnder des Geistes dargestellt, die kirchlich