wollen und gewußt, wie man das Material bearbeitet. Hatte manschon aus der Gotik die Glasmalerei aufgenommen, so lernte manden Alten nun eine Technik nach der anderen ab. Die Frauenvon ganz Deutschland arbeiteten mit, stickend, nähend, klöppelnd,knüpfend.
Die Sache hatte ihre gute Bedeutung. Damals war derKrieg mit Frankreich eben ausgefochten. Die Grenze starrte vonWaffen, die Gedanken zogen nicht mehr so leicht hin und her. Nungalt es den Augenblick benutzen, um einen deutschen Geschmack, denes bisher nicht gab, zu schaffeu. Wohl rief man von allen Seiten,namentlich seitens der Kunstgclehrten: die Knnst ist Gemeingut derWelt: das Schöne ist schön für jedes Land; der Chauvinismus,die Deutschtümelei in der Kunst ist eine Roheit; das sagten nament-lich die, welche Griechenland und Altitalien ihre vorbildliche Be-deutung wahren wollten. Die Gotiker schlössen sich ihnen an, ebensowie jene, die noch unter dem Einfluß Frankreichs standen. Aberdoch siegte der Gedanke, daß es nötig sei, an die letzte Blütezeitdeutscher Kunst anzuschließen, dort, wo der dreißigjährige Krieg an-geblich das technische Können vernichtet hatte. Wie früher derReformation, so wurde jetzt nicht ohue den Einfluß des Kultur-kampfes dem großen Kriege die Schuld am Niedergang der Kunstbeigemessen. Die ersten Versuche, den Barockstil in Achtung zusetzeu, gingen von Dresden aus: Semper selbst in seinem be-rühmten Werk Der Stil war der erste, der in ihm ein System,eine klare Absicht, nicht lediglich Willkür sah, A. v. Zahn machte1873 den ersten Versuch ihn historisch zu gliedern, nachdemsich A. Springer 1867 mit ihm beschäftigt und H. Hettner 1874sein Werk über den Zwinger herausgegeben hatte. Doch warenalle diese Arbeiten, wie die Robert Dohmes und Friedrich Adlersund anderer über Schlüter und die Berliner Baukunst des 17. und18. Jahrhunderts nur knnstgeschichtlicher Art. Auf das thatsäch-liche Wiederaufnehmen des Stiles als eines geschichtlich berech-tigten wies Albert Jlg in Wien zuerst mit seinem kleinen Buchüber die Zukunft des Barockstiles 1880; ich habe seit l88Sdurch Untersuchung des Entwickelungsganges der Zeit uud Ver-öffentlichung der wichtigsten Bauwerke eingegriffen. Dohme und