Druckschrift 
Die deutsche Kunst des 19. Jahrhunderts : ihre Ziele und Thaten / von Cornelius Gurlitt
Entstehung
Seite
441
Einzelbild herunterladen
 
  

Hellenische Renaissance. Wandlungen in Berlin . 441

von 187071 die Milliarden der französischen Kriegsentschädigungnnd die Gründerperiode. Das höhere Bauwesen, bisher im wesent-lichen ein Gebiet der staatlichen Fürsorge, wnrde nun in dieHände der großen Handelsgesellschaften gelegt. In schwerem, auchheute noch nicht ganz ausgefochtenem Kampfe suchten die Privat-architekten den Negierungsbaumeistern, königlichen Van- nnd Ne-gierungsrüten die Alleinherrschaft, die sie bisher geführt hatten, znentringen. Die großen Erfolge, die Wien mit dem freieil Vergebender Bauten an die zu vollendeter Durchbildung am geeignetstenErscheinenden errang, hoffte man auch in Berlin herbeiführen zukönnen. Nicht mit viel Erfolg. Erst die völlige Versumpfnngder Schinkelschen Schule, wie sie sich in den im Bnreanlebenvertrockneten Staatsbaumeistern der Provinz offenbarte, führteÄnderungen herbei. Nicht die Politisch konservative Färbung derVerwaltung hat dieses Festhalten am absterbenden Alter bewirkt.Die halb fortschrittliche, halb socialistische Stadt Berlin selbst hatam längsten der Erkenntnis widerstrebt, daß Bauen eine Knnst undnicht lediglich eine Verwaltungssache sei. Berlin hat bisher zumeistvormärzlich gebaut und steht noch heute in künstlerischen Dingeilkeineswegs an der Spitze der deutschen Städte.

Das Bezeichnende für die Entwickelung in Berlin ist derUmstand, daß dort Firmen die künstlerische Entwickelung in dieHand nahmen: Ende <k Boeckmann, Kyllmann Heyden,von der Hude&Hennike, Ebe<^Benda, Kayserckvon Groß-heim, Gropius Schmieden, Krem er <d Wolffenftein, umnur einige zu nennen, zumeist in der Teilung, daß einer der Ge-sellschafter den künstlerischen, der andere den geschäftlichen Teilvorwiegend behandelt. Banrat von der Hnde schilderte mir einmalsein Verhältnis zu dem inzwischen verstorbenen Hennike so, daßHennike gern gut esse, wenn er auch schlecht schlafe; er, Hude,aber lieber gut schlafe, wenn er anch minder gut esse: der kühueUnternehmer im Gegeilsatz zum Künstler. Anch die Austrügewandelten sich iu Berlin . Die Banken, die reichen Geschäfts- undGasthäuser, die üppigen Wohnbauten waren es vorzugsweise, andenen sich die junge Knnst bethätigte.

Das Wort, welches gewissermaßen als Schild über der Archi-