Adolf Menzcl,
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als man schon Kaulbach vorwarf, daß er „Accidentielles" zu sehrbevorzuge, ging Menzel in die preußischen Zeughäuser und zeich-nete Leibkoppel und Steigbügel, Rockschuitt und Uniformstücke miteiner Genauigkeit, als wolle er Vorbilder -fürs moderne Mnst-gewerbe schaffen. Er suchte in den Galerien nach Bildnissen, umdie Haltung des Menschen, den Zeitausdruck der Köpfe zu lernen;er kramte iu alten Reglements, damit ja jeder Uniformlappen, jedeBewegung der Truppen im Gliede geschichtlich getreu sei; er reisteauf zdeu Rokokoschlössern herum, damit ^er seinen Gestalten denrechten Hintergrund sgeben könne. Er wollte nicht Stimmung indie Bilder legen, nicht sein ideales Verhältnis zu ihnen umschreiben,wie die Romantiker, sondern war der Ansicht die Zeitstimmungwerde kommen, wenn die Zeit so richtig wie möglich getroffen sei.Dann kamen um 1840 die Zeichnungen zu Friedrichs des GroßenLeben, das Franz Kugler schrieb, jener Gelehrte, dessen Verdienst esist, Menzel vom ersten Tage richtig verstanden, in ihm einen hoff-nungsreichen Meister erkannt zu haben. Das Buch war jenem vonHorace Vernet mit Bildern versehenen über Napoleon I. nachgeahmt.Aber wie gewaltig übertraf der Deutsche deu Franzosen. SolcheEntlehnungen, die sofort Verbesserungen sind, kann sich jedesVolk gefallen lassen. Mit einem Schlage war der deutschen Kunsteine neue Art zu zeichnen gelehrt, die malerische Zeichnung. Diekleinen Blätter sind in ihrem Schwarz und Weiß farbiger als alleBilder jeuer Zeit. Uud welcher Geist: nicht nur in festem Zu-greifen gerade bei den entscheidenden und merkwürdigsten Augen-blicken, sondern im eigentlich Künstlerischen, der unzweifelhaft glaub-haften Verwirklichung der darzustellenden Dinge; in dem raschenAuge für die Bewegung; in der festen Hand, die mit jeder Linieeine Form, einen Ausdruck giebt. Viel kleine allegorische Blätternebenbei. Aber eine lebendige Allegorie, die jeder versteht, die keingelehrtes Wissen erfordert. Wer vor ihm hätte zum Beispiel ^dieSchwierigkeiten der Weitersührung des Krieges im Winter 1759—1760zu versinnbildlichen vermocht. Welches Aufwandes an Spitzfindigkeitund Wissen hätte es bedurft, eine solche Aufgabe zu lösen. Menzelzeichnete eine blutige verbundene Hand, die behutsam in den Eisenhand-schuh fährt. Das ist eine ganz neue, eine tief empfundene, eine vom