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Die deutsche Kunst des 19. Jahrhunderts : ihre Ziele und Thaten / von Cornelius Gurlitt
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VIII. Die Kunst aus Eigenem.

Schon die Vorgänge, welche die geschichtliche Malerei darstellt,sind zumeist langweilig. Ich bin mir ja durchaus bewußt, daßmeine Kenntnisse in der Weltgeschichte lückenhaft sind, so daß ichsehr oft vor solchen Bildern nicht weiß, was da eigentlich vor-geht. Ohne dies Wissen aber hat man den halben Genuß. Ichurteile also bereits aus halbem Genuß heraus. Ja, das Miß-verstehen oder Nichtverstehen hebt mir den Genuß zumeist ganzauf. Ich sehe Jausseus Bilder im Rathaus zu Erfurt . Sie sindfreilich für die Erfurter gemalt, die ihre Geschichte besser kennen alsich, der ich, auf den Kopf danach gefragt, was deun im Tollen Jahrdort geschah, wenn ich ehrlich sein soll, mein Wissen in zehn Zeilenniederschreiben könnte. Aber wenn ich von jenem Vorgang auchmehr wüßte, so will ich ihn nicht sehen. Ich bin ganz eingeständigdes Fehlers, daß, wo ein Aufstand loshebt, ich am liebsten meinesWeges ziehe; daß ich, wo einer, sei er Held oder Verräter, erschlagenwird, wenn ich nicht nützen kann, mich lieber beiseite drücke. Die Helden-thaten, die mit der Fanst und mit der Kraft der Kehlen gethan werden,sehe ich im Leben und sehe ich in der Kunst nicht gern. Als alterSoldat und als ein solcher, der oft genug im Feuer staud, wage ich esmich dieser Schwäche zu zeiheu. Ich wehre mich meiner Haut,weun's uötig ist; aber am liebsteu dadurch, daß ich fern vom Hiebbleibe. Die großen Schlagetode der Geschichte sind es nicht, diemich begeistern: nicht etwa weil ich ein Freund des Rufes bin:Die Waffen nieder! Nein, ich halte es für einen Segen für unserVolk, daß jeder junge Mann gelehrt wird, sich zn verteidigen,nnd halte das Heer für eine Seele und Körper stählende Anstalt,die eigens geschaffen werden müßte zur Volkserziehung, wenn sienoch nicht da wäre. Aber die Generalstabsbcrichte lauten dochetwas anders als die Odyssee, die Nibelungen oder die Dichtungender Nomantiker. Der stille, friedfertige und nur geistig tapfereNhland freute sich noch des Schwaben , der den Türken in zwei Hälftenund noch dnrch den Sattel in den Pferderücken hincinhieb, und anderersolcher Schwabenstreiche; die Franzosen lieben es noch heute, sichgegenseitig mit solchen Thaten graulich zu machen. Die deutschenOffiziere werdeu aber eiueu solchen Helden vielleicht für den Stärksten,nicht aber für den Besten in ihrem Kreise halten. Der Mut fordert