Die realistische Geschichlsmalerci, — Hildebrand.
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heute andere Bethätigung als Zuhaueu! Wer im Kugelregen klar zudenken und der wachsenden Gefahr gegenüber sich selbst opfernd dasRichtige zu thun und zu befehlen weiß, das ist unser Held. Leiderist dies Heldentum nicht wirksam darzustellen durch die Kuust. Deuuman sieht im Bild nicht die bekämpfte Gefahr in ihrer ganzenGröße nnd Eindringlichkeit. Mit dem Armansstreckcn ist's nichtgethan!
So führt die Darstellung geschichtlicher Thaten nur zu leichtzum romantischen Schwulst. Vielleicht ist unsere Zeit zu weichherzigund kommt man später wieder zur vollen Allerkenntnis des Werteseines gewaltigen Schwertstreiches? Zunächst straft aber das Gesetzund straft die Gesellschaft noch jede Maulschelle als Roheit, giltselbst den Gegnern der Abrüstung der Krieg als ein notwendigesÜbel. Es ist also schlechtes Wetter für Darstellung von Kraft-thaten. Ich wenigstens bin verdorben für gewisse Heldenbilder,verdorben durch den Krieg, die größte, schönste, entscheidendste Er-innerung meines Lebens. Denn auch dort sah ich nicht die malerische,die romantische Schlacht!
In den Kreis der in Italien heimischen deutschen Künstlerwar seit 1867 Adolf Hilde brand getreten. Er stellte 1873in Wien zuerst aus, lebte aber zumeist fern von der deutschenKlinstwelt iu Florenz, das er erst jüngst mit München ver-tauschte. 1884 veranstaltete Fritz Gurlitt eine Sondcrausstellungseiner Werke in Berlin . Gerade damals war seine Männliche Figurfertig geworden, die sich jetzt in der Berliner Nationnlgallerie be-findet. Mein Bruder hatte mich gebeteu, nach Berlin zu kommen,um ihm bei der Anordnung der Ausstellung zu helfen. Der Raumwar sehr ungünstig, lange wurde die Statue hiu und her gerückt.Als sie endlich ausgestellt war, fragte mich Hildebrand Plötzlich,wie denn nun sein Kind heißen solle. Da stand ein junger Mannin Marmor vor uns, wie nach starker Anstrengung, mit ruhigherabhängender Rechten, eingestemmter Linken; doch ohne jedenGestus, ohne jedes Attribut, ohue jede Ankuüpfung an geistreicheBeziehung. Es lag eine eigentümliche Schwermut auf den be-schatteten Auge. Das war fast das einzige, an das sich anknüpfeuließ. Daher fragte ich Hildebrand, ob man das Werk etwa Allein!