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und durch die Grenzen der Leinwand. Er müßte den Rahmensprengen, wollte er sich aufrichten. Wer mit blöden Augen aufdas Bild sieht, findet wohl den Riesen gar nicht auf den erstenBlick, so groß er ist. Wo ist die Katz? jubelte Berlin , als esihn fand. Es ist ja ein altes Lied, das uns da gesungen wirdvon dem Gott, der das Menschengeschlecht schuf
Zu leiden, zu weinen,Zu genießen und zu freuen sich,Und Zeus nicht zu achtenWie er!
Einst meinte man, man könne hente dergleichen nur humor-voll behandeln. Hier kommt einer, der keine Witze macht, dasGeheimnisvolle, geheimnisvoll zu geben weiß. Wir glanben nicht anden Prometheus der Griechen; aber wir glauben Böcklin , seinemPrometheus.
Die wundervollen Meeresbilder! Kein Mensch hat das Meermalen können wie Böcklin . Wie der weiße Schaum die Welle herab-rieselt, wie das Blau sich vertieft und aufleuchtet, wie die Wellenvon unten heraufwachsen und der Wind über sie hinstreicht.Wasser ringum. Der Horizont ist niedrig, ganz niedrig, als sitzeder Maler bis an die Brust im Meere. Ein köstlicher Salzduft,überall Bewegung. Darüber sich drängende Wolken am hellleuch-tcndeu Himmel. Und in all der Weite und Leere ein paar Lebe-wesen. Nicht Menschen, nicht Tiere und doch beides; nicht Tritonenund nicht Nixen und doch beides; nicht Wesen der griechischen Sageoder unseres Märchens und doch klassisch und deutsch empfunden.
Hatte einer Überfluß an Kräften, so schildert Herkules in jenerGoetheschen Dichtung die braven Kerls seiner Welt, jene, die mit-teilen, was sie haben, hatte also einer Überfluß an Kräften, soprügelte er die andern aus; hatte einer Überschuß an Säften, machteer den Weibern so viel Kinder, als sie begehrten; fehlte es einemdann an beidem und der Himmel hatte ihm Erb' und Hab' vorTausenden gegeben, so eröffnete er seine Thür uud heißt Tausendwillkommen, mit ihm zu genießen. -— Das meiste davon, sagt Wie-land in der Schlafmütze, wird zu unsern Zeiten für Laster ge-rechnet.