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VIII. Die Kunst aus Eigenem.
Wie Viele Künstler haben ihre Kraft an dem einfachen, rührendenVorgang erprobt? So schlicht nnd groß, so wahr und im edelstenSinne religiös hat ihn keiner darzustellen gewußt wie Arnold Böcklin !Eines hat sich eben im letzten Jahrzehnt geändert: 8g.nc.tg. ^estkstieg.,die wankelmütigste der Frauen, hat vor der Tiese und Innerlichkeit desMeisters ihre Grundsätze geändert. Nur ein paar Leute, die nocheine alte Auflage von ihr besitzen, folgen den schon längst vonihr selbst verleugneten Wahrheiten. Es fragt sich nur noch, wasder beschränkt Konfessionelle dagegen einzuwenden hat. Wohl wirdBöcklin schwerlich je zum Meister der kirchlich dogmatischen Kunstwerden. Aber sollte es nicht möglich sein, daß die religiöse Kunsterkenne, hier ringe ein Mensch um die Wahrheit, dessen Ernst maneben an seinen Schwächen am leichtesten als echt erkennen kann?Wo ein Wille ist, da ist ein Weg. Ein Herzenskünder muß inBöcklin den Herzenskünder finden; die Kraft empfundener Wahrheitmuß immer lauter aus ihm herausrufen in die weite Welt.So viele merken nicht, daß nicht ihre religiöse, sondern ihre ästhe-tische Auffassung sie von diesen Bildern abstößt; aus ästhetischemWiderwillen berauben sie sich der religiösen Anregung; eine heid-nische Wissenschaft hindert sie, christliche Kunst zu verstehen? —
Während sich die deutsche Kunst in ihren stärksten Kräftenaus der unwirtlichen Luft deutscher Besserwisserei nach Italien zurückzog, vollzog sich doch langsam die Rückeroberung. Esmeldeten sich die jungen Kräfte, die für ihre Aufgabe ansahen,den Kampf aufzunehmen und dem heimischen Schlendrian entgegen-zutreten.
Der Anfang der achtziger Jahre ließ Berlin zur entscheidendenStadt werden. Künstler wie Klinger und Stauffer-Bern warenzwar damals noch weit entfernt von öffentlicher Anerkennung.Aber schon meldete sich immer lebhafter die Notwendigkeit des Bruchesmit der Akademie und ihrer französisch-romantischen Richtung. Spurender Zerbröckelung dieser selbst überall. Menzel und die um ihnGescharten, Liebermann mit seinem wachsenden Anhang begannenden Akademikern die Hölle heiß zu machen. Die ärgerlichen Aus-stellungeu vou allerhand „wilden Sachen" rührten den Geschmackund die Kampflust auf, die internationalen Kunstausstellungen von