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Die deutsche Kunst des 19. Jahrhunderts : ihre Ziele und Thaten / von Cornelius Gurlitt
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621
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Die künstlerische Idee. Stauffer-Beni, Stellung zur Kunsttechnik. 621

Gewißheit, daß sein Bild dem Besteller nicht gefalle, der starkeCharakteristik nicht dulde. Die schönen, stillen Leute zu malen,fand er uicht Zeit und Stimmung.

Aber sie wären der Menge auch uicht sehr schön erschienen,so wenig wie seine Bildnisse. Es ist in Stansfer wie inKlinger viel zu viel unverbildete Eigennatur geweseu, als daß siefür den Mann derJetztzeit" hätten bequem genießbar sein können.Seiner ganzen Lebensauffassung nach gehörte auch er unter dieMaler des Sturmes uud Dranges, die sich bemühen, dem deutscheuWesen neue, tiefere Form zu geben, d. h. eine tiefe Form, die nennnd deutsch ist, weil sie unmittelbar aus einem starken, lebendigenDeutschen hervorgeht. Seine Bilder wie seine Radierungen sind sowenig wie die Kliugers angenehm; sie sind im Ton hart, in ihrerWahrhaftigkeit poesielos, in ihrer Deutlichkeit unerbittlich, teilweise wiemit einem inneren Grimme gemalt, in ihrer Technik schwankend.Es überkommt einen keine rechte Freude vor ihnen, namentlich vorihrer vielen uebeneinauder. Mau spürt den Schweiß, den siekosteten, das Ringen nach innerer Klarheit. Das Große an ihnenist die tiefe Achtung vor der Natur. Sie sind gemalt mit heißemBemühen wahr zu sein, die Technik zu überwinden, die Dinge derNatur zum Besitzstande des Künstlers zu machen. Staufser sagtes sehr oft in seinen Briefen, daß seine Bilder eigentlich nur Studiensind, Arbeiten, die nur für ihn selbst geschaffen wurden; nm sichüber das eigene Können klar zu werden. Er glaubt dem fertigenWerke gegenüber immer wieder deutlich zu fühlen, was ihm fehlt;Jahre des nachbildenden Fleißes, der genauen, emsigen Beobachtung,der rechten, echten Schülerarbeit. Andere freuen sich der erlangtet?Übung, der Annäherung an berühmte Vorbilder, der Fortbildungin der als gut erkannten Manier; ihnen wird das Schaffen zurFreude, zu einem reinen leicht erruugenen Gcuuß, trotz der jedemgesteckten, aber nicht jedem erkennbaren Grenze zur vollste» Be-friedigung. Ihm war es stets eine harte Prüfung; hinter ihm standtreibend und anspornend die Furcht, sein Ziel von anderen frühererreicht zu sehen; vor ihm eine starke Selbstkritik und die Er-kenntnis des Abstandes von höchster Meisterschaft, ein friedlosesNenneu nach unsicherem Gut. Und diese Meisterschaft sieht er