Der Kupferstich. —
Der Holzschnitt. — Die Radierung.
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Kunst. Mandel erhielt den Orden xour Is msrits, die höchsteAuszeichnung, die man einem Künstler geben konnte. Aber untersich nahmen die Künstler den Stecher doch immer als halb. Erstand znm Maler wie der Sänger znm Komponisten; ja er standinsolge der schweren Handwerklichkeit seiner Knnst noch tiefer.
Dem Linienstich wurde das Leben recht sauer gemacht. Inseine Aufgabe, die Wiedergabe von Bildern, pfuschten alle möglichemKünste hinein. Zuerst die Lithographie, die rascher, billiger arbeiteteund für gewisse Zwecke auch künstlerischer. So hat sie im BildnisAusgezeichnetes geleistet. Sie verlor ihr wichtigstes Gebiet an diePhotographie, die noch billiger und ganz mechanisch arbeitete.Deren Kinder, Lichtdruck, Heliogravüre uud wie sie sonst heißen,haben die alten Mitbewerber vollends verdrängt. Es ist ja richtig,daß ein großer Unterschied zwischen Stich und Gravüre besteht.Dort war der Vermittler zwischen dem ursprünglichen Bilde unddem Beschauer ein Mensch, sein Auge, seiue Hand; hier ist's eineMaschine. Man wird nicht leicht Gravüren sammeln, wie manStiche sammelt, das heißt, nicht wegen des Gegenstandes, sondernwegen der Darstellung. Wo aber der Gegenstand, wo das alte Bilddie Hauptsache ist, wird heute kein Mensch mehr zur Darstellungdurch einen Künstler raten. Der Gelehrte wie der Kunstfreundwird die unzweifelhafte Treue der Maschine der geistvollsten Über-tragung durch den Künstler vorziehen.
Den Kupferstich erreichte rasch eiu jähes Ende. Danebenblühte der Holzschnitt. Ludwig Richter zeichnete für ihn in einernoch ganz von den Engländern abhängigen Behandlung. Der Be-freier war Menzel, der in den Ton größeren Reichtum, in dieZeichnung größere Beweglichkeit brachte. Aber mit den sechzigerJahren blieb der Holzschnitt in Deutschland stehen. Er suchte mitdem Kupferstich zu wetteifern, verfiel mehr und mehr in Hand-werklichkeit. Erst mit den siebziger Jahren begann die Gesellschaftfür vervielfältigende Knnst in Wien neue Anregungen zu geben.Noch heute erreicht der Jllustrationsschnitt bei uns nicht, namentlichwas in Amerika geleistet wird.
Die Radierung wurde stets von einzelnen Künstlern betrieben,teils mit der Absicht, skizzenhafte Wirkuug zu erzielen, teils mit