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Die deutsche Kunst des 19. Jahrhunderts : ihre Ziele und Thaten / von Cornelius Gurlitt
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VIII. Die Kunst aus Eigenen,.

der, dem Kupferstich sich zu nähern. Die ältere Realistenschule,namentlich die Stecher der Ansichten, wie sie Reisende als An-denken kauften, der Trachtenbilder, Johann Adam Klein , I. Chr.Erhard, K. Schütz und andere waren hier Vermittler aus dein18. Jahrhundert, Ludwig Richter , Schwind und andere hielten dieÜberlieferung in bescheidener Thätigkeit aufrecht. Die siebziger uudachtziger Jahre brachten dann neue Versuche durch die Radierungund ihre frischere Behandlungsart, den Linienstich in der Wiedergabevon Bildern zu übertreffen: Peter Halm , W. Hecht, WilliamNnger, Karl Köpping und viele andere suchten hierin ihr Ziel.Sie bildeten die Technik wieder heran, damit sie vielerlei Aufgabenzu erfüllen stark genng werde.

Stauffer und Klinger haben neue Wege eingeschlagen. Klingerbenutzte die Radierung anfangs auch zur Nachbildung BvcklinscherWerke, früh aber schuf er in dieser Technik Eigenes. Darin warihm Stauffer vorausgegangeu, indem er sich mit der Platte nichtvor ein Bild, sondern vor die Natur begab und nun mit derHilfe verschiedenartiger Technik dieser so hart wie möglich zu Leibeging. Er sah vor allem die Form der Dinge. Auch seine Bildersind im Ton kalt, zeigen schärfere Beobachtung für die Modellierung,als für die Farbe. Sie haben etwas von lasierten Tuschzeich-nungen, sie erwecken den in ihrer Darstcllungsart keineswegs be-gründeten, sondern nur in der Schauensweise Stausfers liegendenEindruck, als seien sie erst modelliert und dann gefärbt. In denRadierungen, in denen die Farbe fehlt, tritt die Kraft des Künstlersdaher reiner hervor. Gerade sie wirken in hohem Grade farbig,sind nicht bloß zeichnerisch-plastisch, sondern stark malerisch em-pfunden. Und wieder mahnt hier Stauffer wie Klinger vielfach andie Frühzeit deutscher Kunst. Es gab neben ihnen einen Realismus,der von der Form absah, der sich so stark beschränkte, wiedies nur irgend ein Meister alter Schale gethan, den Impressio-nismus; der hielt sich allein an den Ton und ließ in idealistischerÜbertreibung von dessen Wert die Form ganz verschwinden. Hiersind die Ansätze einer neuen Kunst, die sich wieder in der Form nichtGenüge thun kann. Man sehe bei beiden Künstlern, wie sie denBaumschlag zeichnen: Jedes Blatt, jede Rippe im Blatt, wie dies