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VIII. Die Kunst aus Eigenem.
sie erhält etwas von der Bildsäule. Unwillkürlich zieht es ihnund seine Genossen zur Bildhauerei, zumal weil der unter ihnen,der zuerst die ueue Absicht mit großer Begabung vereinte, Hilde-brand, von Haus aus Bildhauer ist.
Man kann aus den in Druck erschienenen Briefen Stauffers,den Fortgang, den die beiden Freunde nach dieser Richtung nahmen,deutlich verfolgen. Sie suchen in Marees Art nach Form, sievertiefen sich in die Wahrheit, wie sie jener auffaßte. Malerei ist,das, sagt Stauffer, was man nicht photographieren kann; Bildnereidas, was man nicht abgießen kann. Es kommt daraus an, mitLebhaftigkeit und Schärfe diese Wahrheit zu empfinden. In derBildnerei ist die organische Bewegung der menschlichen Form daseinzige Mittel zur Darstellung; es giebt nur eine Kunst, nämlichjene, die hervorgebracht wird durch die Freude an der Natur unddie nichts weiter sucht, als diesem Gesühl Ausdruck zu geben. Allesdrängte nach Knappheit dieses Ausdrucks, nach einer klar umrissencuGestalt, die durch Bewegung lebt, nicht durch Beziehungen niit einerAußenwelt redet, welcher Art sie auch sei.
Deu von der Malerei Herüberkommenden mußte die Frageuahe liegen, das Verhältnis dieser zur Bildnerei zu untersuchen.Die Frage der farbigen Plastik weckte wieder den Anteil. Hilde-brand nennt alle Bemalung von Bildwerken vom Gesichtspunkteder unmittelbaren Naturwahrheit aus eine Roheit. Die Bildwerke,die der Natur als ein Getrenntes, Geschlossenes gegenüberstehen, sollenseiner Meinung nach auch einen geschlossenen Farbeneindruck bieten,damit sie in der farbigen Natur nicht als eine Lücke erscheinen. Siesollen wie die Natur farbig, nicht gefärbt, nicht als ein farbig Dar-gestelltes wirken, nicht so, daß man die Farbe als ein Darstellungs-mittel erkennt. Die Farbe muß die Gestalt als Ganzes der Natureutgegenhnlten. Hildebraud erscheint aus diesem Grunde einfacheTönung des Steins, Edelrost an Bronze das Angemessene.
Ich muß gesteheu, daß ich das nicht recht verstehe. Das Weißdes Marmors ist eine Farbe; wohl nicht im Sinne der Naturforscher,aber sicher im vorliegenden; das Braun der Bronze ist sicher auchein solche. Grundsätzlich ist es gleichgültig, ob das Bildwerk weiß,braun, gelb oder grün ist.