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VIII. Die Kunst auS Eigenem.
so mit Persönlichkeit, daß sie alle in seiner Hand anders, alle sichverwandt wurden. Somit konnte er Motive der verschiedenstenKunstarten verwenden; namentlich spanische Renaissance und späteGotik reden in seine Gestaltungen mit hinein, ohne daß sie sichwidersprechen.
In ähnlicher Weise entwickelte sich in Leipzig der ArchitektHugo Licht ; Berliner Schule gleich Wallot, hat er für die auf-blühende Handelsstadt eine Reihe von Bauten zuerst für vorwiegendpraktische Zwecke errichtet. Seine Markthalle zeigt ein Vermischengotischer, romanischer und Reuaissaneeformen, die noch dazn ausallen möglichen Ländern zusammengetragen sind, ohne daß dabeieine stilistische Unruhe entstände. Der Vergleich mit den MünchnerVersuchen zu ähnlichen Stilmischungen in den fünfziger Jahrenliegt nahe. Der Gedanke ift derselbe, der Unterschied liegt nnrdarin, daß die jüngeren Meister in ganz anderer Weise die Stilebeherrschten, daß ihnen eine ganz andere Fülle stilistischer An-schauung zu Gebote stand. Das Alte mußte erst verdaut sein, ehees nähren konnte. So kam Licht zu Formen, die vielfach au diein Amerika übliche Freiheit stilistischen Fesseln gegenüber erinnert.In seinem Entwurf zum Leipziger Rathaus scheint er nun erst dievolle, zur höchsten Einfachheit vorschreitende Reife erlangt zuhaben. Auch hier eine Rückkehr zn einer alten Forderung: Ein-fachheit! Aber es ist jetzt nicht mehr die Armut, sondern die Sicher-heit reichen Besitzes, die auf diese hinführt. -
Auf ähnliche Ziele wirkt ein Künstler von großer Selbständig-keit hin, Bruno Schmitz , derjenige, dem im Wesentlichen dieAufgabe zufiel, den deutschen Sieg in Denkmälern zn feiern, diedeutsche Einheit wuchtig zum Ausdruck zu bringen. Schon beidem Denkmal für König Victor Emanuel in Rom hatte er ineinein iuteruatioualen Wettbewerb den Sieg errungen, sein eigent-liches Können zeigte sich aber rein und frei an den Denkmälernauf dem Kyffhüuser, am Rhcineck bei Koblenz, an der PortaWestvhalika, die alle dem Kaiser Wilhelm I. geweiht sind, an seineinVölkerschlachtdenkmal für Leipzig und ähnlichen Entwürfen.
Es herrscht hier vor allein ein bildnerisches Planen, ein großerZug im Verteilen der Massen, ein Hinwirken auf einfachen Umriß