Druckschrift 
Geschichte der organischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert : Medizin und deren Hilfswissenschaften, Zoologie und Botanik / von Franz Carl Müller
Entstehung
Seite
248
Einzelbild herunterladen
 

248

VI. Hygieine.

gebrauchte Henry in Manchester die Hitze zur Desinfektion Ergab an, daß die Erhitzung der Effekten von Scharlachkranken auf100° eine Weiterverbreitung der Krankheit auf diesem Wege aus-schließt; wein: er die Kleider von Pestkranken 24 Stunden langeiner Temperatur von 6086° ausgesetzt hatte, konnten die Kleiderohne Gefahr von anderen Personen getragen werden. Shawmachte ähnliche Beobachtungen beim Gelbfieber, auch Rausomewies (1873) nach, daß hohe Hitzegrade gewisse Krankheitskeime zer-stören. Von anderer Seite wurde Ende der 60 er Jahre dieCarbvlsäure empfohlen, welche ebenso wie das Chlor in Epidemiendie besten Dienste leistete. Die meisten Versuche wurden beimMilzbrand angestellt nnd dnrch zahlreiche Forscher untersucht, wiesich das Milzbrandgift gegenüber den einzelnen Desinfizientienverhält. Dabei kam Koch anf die wichtige Thatsache, daß dieMilzbraiidorganismen verschiedene Entwickelungsphasen haben. Siekommen im Blute als Stäbchen vor und werden als solche vonverschiedenen Mitteln leicht abgetötet, dagegen setzen die Dauer-sporen, welche vou einer festen Hülle umschlossen sind, auch denschärfsten Desinfizientien einen energischen Widerstand entgegen.Koch hat nun weiter angenommen, daß auch die übrigen Krankheits-erreger Dauersormen habeu und hat an die Desinfektionsmitteldie Minimalforderung gestellt, daß sie die Dauersporen sicher zer-stören. Die Probe ging in einfacher Weise vor sich, indem dieFäden, die mit sporenhaltiger Flüssigkeit getränkt und nachhergetrocknet worden waren, zuerst in Lösungen der desinfizierendenFlüssigkeit gehäugt und dann in Blutserumgelatiue gebracht wurden.Wenn alle Sporen getötet waren, blieben die charakteristischenMilzbrandsäden ans, die sich, falls einzelne Sporen ausgehaltenhatten, sicher entwickelten. Es stellte sich bei diesen Versuchenheraus, daß das Sublimat gegenüber den Milzbrandsporen schonin der größten Verdünnung noch wirksam war nnd die Kochschulesuchte nun herauszubringen, welches specifische Mittel für die ein-zelnen Mikroorganismen (des Typhus, der Cholera, der Diphtheritis)vorhandeu wären. Dabei stellte sich die Thatsache heraus, daß dasSublimat nicht nur beim Milzbrand die übrigen Desinfizieutieuan Wirksamkeit übertrifft.