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Geschichte der organischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert : Medizin und deren Hilfswissenschaften, Zoologie und Botanik / von Franz Carl Müller
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VII. Chirurgie, Augen-, Lhren-, Zahnheilkundc.

Verletzungen namentlich bekannt. Auf dem Gebiete der Knochen-brüche wie Verrenkungen experimentierte er mit großem Glücke,ebenso widmete er den verschiedenen Arten der Brucheinklemmungenund Hermen überhaupt eine große Aufmerksamkeit. Auch die Nar-kose und Antiseptik gehörten zu seinen Lieblingsthematen. Er hatweit über 100 wissenschaftliche Arbeiten hinterlassen, die eine Fund-grube für den Forscher sind.

Zu den kühnsten Chirurgen gehörte Theodor von Billroth(18291894), der Stern der Wiener Hochschule. Unter demSchutze der Antiseptik wagte er 1874 die erste Kehlkopfexstirpationund 1881 die erste Magenresektion, beide mit gutem Ausgauge.Der Ausbau der Eiugcweidechirurgie ist sein Werk, aber auch sonsthatte er sich der höchsten Anerkennung zu erfreuen. SeineVor-lesungen über chirurgische Pathologie und Therapie" wurden inviele Sprachen übersetzt; der nach seinem Tode herausgegebeneBriefwechsel zeigt seine allgemeine Bildung, sein universelles Genie,seinen Reichtnm an Gemüt und seine Begeisterung für alles Edleund Schöne. Sein Schüler Gusseubauer, der 'auch für denKranken, dem der Kehlkopf herausgeschnitten wnrde, einen künst-lichen Kehlkopf konstruierte, mit dem der Patient sprechen konnte,hat die wichtigsten Operationen Billroths eingehen beschrieben.

Karl Hueter (18381882) in Greifswald beschrieb schon 1873die Bakterien als die Ursache der aecidentellen Wnndkrankheiten(Monadentheorie) nnd machte sich um die Gelenkkrankheiten unddie Orthopädie verdient. Albert Lücke (18291894) in Straß-burg machte die Geschwülste zum Gegenstand seiner Stndien.Theodor Middeldvrpf (18241868) vertiefte sich in die Galvano-kaustik; Kurt Schimmelbusch (18601895) hat sich durchForschungen zur chirurgischen Bakteriologie bekannt gemacht, AdolfZsigmvndy 18161880) brachte die Galvanokaustik nach Wien .Franz König (geb. 1832) der Nachfolger Bardelebenjs, hat einumfassendes Lehrbuch seines Faches verfaßt und gilt als Autoritätiu der Lungenchirurgie, wie er auch die Gelenktuberkulose zu seinemSpecialfache gemacht hat. Ernst von Bergmann (1836) derNachfolger Langenbecks und vorher der Linharts auf dem Würz-burger Lehrstuhl hat eine berühmte Arbeit über die Kopfverletzungen