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Geschichte der organischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert : Medizin und deren Hilfswissenschaften, Zoologie und Botanik / von Franz Carl Müller
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Albrecht von Graefe .

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vergiereu der Sehaxen und deni Akkommodationszustand des Augesund über Hornhautdefekte, teils in seiner Muttersprache, teils indem von ihm mitredigierten Graefeschen Archiv herausgab. Außer-dem brachte er die Untersuchungen über Refraktion und Akkommo-dation auf eine wissenschaftliche Hohe und entriß durch seine Ver-öffentlichungen die Brillenbestimmung den Händen der Optiker, sodaß nunmehr der geschulte Arzt die richtige Brille bestimmt uuduicht der Patient, wie es bisher meist geschah, sich irgend ein Glasnach Gutdünken heraussucht. 1863 erhielt er den durch Schrödervan der Kolks Tod verwaisten Lehrstuhl der Physiologie inUtrecht und wandte sich wieder mehr physiologischen Problemenzu. Auf diesem Gebiete ist seine AbhandlungÜber die Schnellig-keit psychischer Prozesse" von Bedeutung, für welche er zurBestimmung der zwischen dem Reiz nnd dem Reizeffekt VersließendenZeit den Nosmotachographen und dasNosmotachometer erfand.Während man früher bei der Hstinitis piAmsutosg. den Patientenmit allen möglichen entzündungsbekämpfenden Mitteln be- undmißhandelte, sah man durch die dem Augenspiegel zu verdankendenUntersuchungen eiu, daß man es mit einer unheilbaren Verän-derung zu thun hat uud beschränkte sich infolgedessen mehr zumHeil des Kranken darauf, allgemeine diätetische Maßregeln anzu-ordnen.

Im Jahre 1853 sah Ernst Adolf Coccius (18251890) dieNetzhautablösung, welche schon lange vorher St. Ives mit seinenunzureichenden Untersuchungsmitteln geahnt hatte. Der Leipziger Ordinarius für Augenheilkunde hinterließ eine Reihe von Abhand-lungen, namentlich über die Anwendung des Augenspiegels undüber den Sehpurpur-Arbeiten, die von der G raefeschule anerkanntwurden. In seinen letzten Jahren ging er mit der Wissenschaftuicht vorwärts und beschränkte sich auf die Bestätigung von andererSeite gefundener Thatsachen, ohne selbständig weiter zn forschen.

Mehr oder weniger Altersgenossen von Graefe sind dieWiener Arlt und Jaeger, fernerSnelleu, Pagenstecher, Nagel,Stellwag, Klaunig und Mauthner. Gerade iu Wien blühtedie Augenheilkunde, wie wir vorher schon gesehen haben; die erst-genannten Angenürzte hatten einen glänzenden Ruf, der auch der

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