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Geschichte der organischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert : Medizin und deren Hilfswissenschaften, Zoologie und Botanik / von Franz Carl Müller
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Jridektoinie,

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Medizin in den letzten Decennien genommen hat. Wenn dasInnere des Auges von einer Eiternng befallen wird, ist das Augein den allermeisten Fällen verloren, es ist also Pflicht des Arztes,die Operationen mit allen Kanteten der Keimfreiheit durchzuführen.Daß dies anch möglich ist, beweist die Statistik. Während Graefenoch 34 Eiterungen bei seinen Staaroperationen zu verzeichnenhatte, sind dieselben jetzt so selten geworden, daß O. Purtscher unter 336 Fällen ohne Eiteruug durchkam. Dieses Resultat kaunein glänzendes geuannt werden und entspricht den Erfahrungen,welche die übrige Chirurgie mit der Antiseptik und in jüngsterZeit mit der Aseptik gemacht hat. Es ist selbstverständlich, das;mit den besseren Heilungsaussichten auch der Mut der Augenärztegewachsen ist und jetzt Eingriffe gemacht werden, die mau früherwegen ihrer Gefährlichkeit nicht hatte unternehmen können. Esmöge hier nur angedeutet werdeu, daß man Blasenwürmer extra-hieren kauu, nachdem der Schnitt durch die Lederhaut seine Ge-fährlichkeit verloren hat. Große Fortschritte wurden in der Be-handlung der ins Auge eingedrungeueu Eisensplitter gemacht; manfindet dieselben mit dem Sideroskop und entfernt sie mit demElektromagneten.

Im Jahre 1884 machte ein Wiener Arzt namens Koller dieEntdeckung, daß die Einträufelung einer 2 "/igen Lösung vonsalzsaurem Kokain in die Bindehaut die von demselben benetztenTeile so unempfindlich macht, daß mau größere Operationen, wieStaaroperationen vornehmen kann, ohne dem Kranken Schmerzenzu bereiten; daß anch das Chlorophorm und der Äther in derchirurgischen Praxis des Augenarztes eine segensreiche Wirkung ent-faltet, sei nur nebenbei bemerkt; in jüngster Zeit wird das Kokaindurch das von Täuber dargestellte Holokain, welches chemisch mitdem Pheuacetin verwandt ist, verdrängt. Was die Ophthalmologendes verflossenen Jahrhunderts geleistet haben, geht schon daraushervor, daß die Erblinduugsziffern ganz bedeutend heruntergegangenfind. Dies kommt zum Teil durch die Vorsicht, mit der man dieBindehautentzündungen der Neugeborenen sosort nach der Gebnrtbehandelt, andererseits aber auch durch die prophylaktischen Maß-regeln: die Fleischbeschau hat die gefährliche Finnenkrankheit des