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Geschichte der organischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert : Medizin und deren Hilfswissenschaften, Zoologie und Botanik / von Franz Carl Müller
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Künstliche Gebisse.

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aber trotz der vielfachen Persuche, namentlich von Carl Sauer , istdiese Frage noch nicht gelost. Das 1859 von John Mc. Jntoshempfohlene Celluloid, welches früher Rose-Pearl genannt wurde,konnte sich nie recht einbürgern. Pfaff und Pnrmann, zweiDeutsche , vervollkommueten die Methode, ein Gipsmodell zu gießen;der von Schmedicke (1849) gemachte Vorschlag, statt des GipsesZchwefel zn nehmen, sand wenig Anerkennung.

Die Füllung der Zähne ist schon den Alten bekannt gewesen.Man nahm früher Wachs, auch Gold, Zinn und Blei. 1818wnrde das von Regnart empfohlene Amalgam zuerst gebraucht,das Charles Bell durch eiue Komposition von Silberspänen undQuecksilber verbesserte (1819). 1848 gab Evaus ein Amalgamvon Zinn und Kadminm an, 1870 rühmte Weste ok wieder dieGoldfolie, nachdem schon früher das Schwamm- oder Krystallgoldverwendet worden war, auch Kollodium und Schwefel benutzte mau,besonderer Wertschätzung erfrente sich der von M. Sorel gerühmteZink-Cement (18S6), knrzum der Streit wogte hin nnd her, bisman sich in neuester Zeit Wohl allgemein für das Gold ent-schieden hat.

Die Austrocknung der Kavität des Zahues, die vollendet seinmußte, wenn man eine gute Füllung machen wollte, gelang erstnach der Entdeckung des Nubberdam oder Cofferdam dnrch S. C.Barnum (1864). - Die früher gebräuchlichen Holzkeile zumAuseinandertreiben der Zähne wurden von Christian F. Wehner(18131879) durch Gummistückchen ersetzt. Während man früherzum Reinigen der Kavität Handbohrer hatte, dann Drillbohrer undFederbohrer, führte G. F. Greeu (1868) die pneumatische Bohr-maschine und Morrison 1870 die Bohrmaschine mit direkterÜbertragung ein, welche seither wesentlich verbessert wnrde.

Die Stellung der Zahnärzte in Deutschland war lange Zeithindurch eine untergeordnete. Bis zum Jahre 1825 wurden sieden Quacksalbern zugezählt. Erst 1825 wurde eine Prüfungs-ordnung erlassen, welche zwar keine große Vorbildung verlangte,aber sehr strenge Prüsungsvorschriften hatte, so daß die jungenZahnärzte bedeutende Kenntnisse ausweisen mußten. Aber dieBestimmnugen wurden nicht gehandhabt nnd so kam es, daß Nicht-