Zgg VIII. Innere Medizin und deren Hilfswissenschaften.
belebten Materie wird. Später wurde Görres als Professor derGeschichte in München ein Vorkämpfer der nltramontanen Parteiund gründete die „christlich-germanische Schule", welcher anchder bekannte Münchener Kliniker Rings eis angehörte. — JohannN. von Ringseis, wie der vorher geschilderte Görres seiner Zeiteine Münchener Größe (1785—1830), war ein Schüler Rösch-laubs und interessierte sich neben seiner Fachwissenschaft fürTheologie, Politik und die schönen Künste. Als eifriger Katholikkam er immer mehr ins ultramontaue Lager und führte in seinem„System der Medizin" aus, daß die Grundlehren der Heilkuustin den Überlieserungen der heiligen Schrift gegeben wären. Da erdie Krankheit als eine Sünde auffaßte, so lag logischer Weise imGebet die Heilung. So glaubte Rings eis in seiner felsenfestenÜberzeugung thatsächlich, daß er eine kirchliche Medizin gründenkönne. Als bekannter Kliniker schwamm er ganz im Fahrwasserseiner Zeit und ließ nicht mehr aber auch nicht weniger zur Ader,wie seine Zeitgenossen, wie es in seiner Abteilung im Krankenhausauch nicht weniger Abfuhr- und Brechmittel gab als anderswo.Da Ringseis seit 1825 die Stelle eines Chefs des bayerischenMedizinalwesens bekleidete, so war er eine einflußreiche Person,der Wohl, wie es im Leben immer geht, mancher zu Liebe redeteund keiner offen zu Leib ging. Die studierende Jugend, die mitansah, wie die Medizin sich aus philosophischen Banden frei machteund reine Naturwissenschaft wurde, machte natürlich den Rückschritt,den Ringseis mit seiner theologischen Medizin gethan hatte, nichtmit und vergaß des Mannes schon, als er noch in Amt undWürden war. Seine Leistungen als erster Arzt des bayerische:?Medizinalwesens, dem er 46 Jahre vorstand, waren die eines gerechtenHüters der von seinem Vorgänger übernommenen Organisation.
Auf gleichem Boden wie Ringseis steht Karl I. H. Windisch-mann (1775—1839), der durch einen 1823 veröffentlichten Auf-satz: „Ein Versuch zur Vereinigung der Heilkunst mit derchristlichen Philosophie" allgemeines Aufsehen erregte. Ermeint unter anderem, daß die Medizin falsche Bahnen ginge, siehat zwar durch die Magie, den Magnetismus und die sympathetischenKnren einen Anlauf zum Besseren genommen, aber ernstlich besser