Rademacher.
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eines einfachen Landarztes aufmerksam zu machen, der sich in halb-philosophischen Spekulationen verlor. Wo die Wissenschaft so mitSiebenmeilenstiefeln einer neuen Ära entgegeneilte, mußte derretrograde Forscher unbeachtet bleiben. Und doch, wenn wir heutedie Arbeiten des „Alten von Goch" durchlesen, finden wirmanches, was unser ganzes Interesse wachruft; manche Beobachtungist von absoluter Schärfe, und so erklärt es sich auch, daß immerwieder der Versuch gemacht wird, der Ersahrungsheillehre einenPlatz iu der Medizin zu gebeu. Dabei wird aber vergessen, daßsie denselben nur in der Geschichte der Medizin verdient. Wieübrigens die Größten in der Heilkunde über Rademacher dachten,zeigt ein Urteil Virchows im zweiten Bande seines Archives.„Neben dem Kliniker hat aber der Praktische Arzt ein natürliches,wenn nicht angestammtes Recht, so doch wohlerworbenes Recht,feine Erfahrungen für ebenso positiv zu halten, als der Klinikernnd ich gestehe offen, daß ich in dem Werk von Rademacher denAnsang einer Reform sehe, die damit endigen wird, den empirischenStandpunkt in der Therapie mit dem bisherigen rationellen oderphysiologische!? einzutauschen. Erst von diesem Augenblick au wirddie Therapie anfaugeu, sich uach Art einer Naturwissenschaft zuentwickeln, deuu alle Naturwissenschast beginnt mit der empirischenBeobachtung. Ebenso offen muß ich aber auch mein Bedauernaussprechen, daß es zu einem solchen Extrem hat kommen müssen.Wenn Rademach er und seine Nachfolger sich mit vollem Rechtauf den empirischen Standpunkt stellen, der der ihrige sein mnßte,so haben sie sich leider nicht zu der naturwissenschaftlichen Methodezu erheben gewußt, ohne welche schließlich jeuer ebenso rohe, alsanmaßende Empirismns herauskommen muß."
Manche haben geglaubt, zwischen Nademacher uud Hahne-maun eine Verwandtschaft zn finden, und sogar Virchow erklärtdieses öffentlich, denn nach seiner Meinung stammten beide Schulenvon Paracelsus ab, und legten den Hauptwert auf specifischeMittel. Einzelne Anhänger Hahnemanns, wie Grauvogel,haben die Nademachersche Lehre auf die Homöopathie übertragen,aber trotzdem ist zwischen beiden Lehren doch eine unüberbrückbareKluft. Am meisten fand Rademacher Anerkennung in Rußland .