Z74 VIII. Innere Medizin nnd deren Hilfswissenschaften.
Zahlreiche Schüler verherrlichten seinen Namen. Er selbst nannteseine Schule die naturhistorische, aber das Wort hat im Laufe derJahrzehnte die Bedeutung verloren, die ihm Schoenlein gebenwollte, nnd so ist er, wenn man die Auswüchse dieser Schule be-trachtet, auch kein Naturhistoriker, sondern er, wie seine berühmtenSchüler, stehen auf dem Boden der strengen naturwissenschaftlichenForschung.
Er war der erste, welcher die Methode der deutschenKlinik feststellte. Er ist es gewesen, der das große Material einesganzen Krankenhauses den Studenten so zugänglich machte, daßjeder einzelne durch eigene Beobachtung den Verlauf der Krank-heiten verfolgen, jeder sich wirkliche Erfahrungen sichern konnte.Für ihn war die Klinik nicht bloß eine Art der Vorlesung mitDemonstrationen verbunden, sondern praktische Leitung des an-gehenden Arztes. Er erzog den Studenten, indem er es ihm er-möglichte, durch häusige Besuche den Kranken zn beobachten, dieHeilung oder Verschlimmerung der Krankheit mitzumachen und,falls der Tod eingetreten war, zeigte er bei der Sektion die Be-rechtigung od'er Nichtberechtigung der Diagnose und Behandlung.Er war der erste in Deutschland , welcher die Perkussion nndAuskultation, von deren Geschichte weiter nnten noch die Rede seinwird, in die Klinik als regelmäßigen Bestandteil einer genauenUntersuchung einführte, er ließ das Blut, den Urin untersuchen,benutzte das Mikroskop und die Ehemie, um tiefer in das Wesender Krankheiten eindringen zu können. Außerdem war er eingroßer Kenner der Geschichte seines Faches nnd studierte mit nieermüdendem Fleiße die Erzeugnisse der Litteratur. In allem suchteer nach dem Grunde und so reihte er die Krankheitserscheinuugennicht nur zeitlich aneinander, sondern konstruierte auch, wie sielogisch auseinander hervorgehen. Damit sührte er seine Schülerzur Kenntnis des ganzen Krankheitsprozesses, ein Fortschritt, vondem Virchow behauptet, daß er eine rein deutsche Erfindung unddie Signatur der Schoenlein sehen Lehre ist.
Da er immer wieder neue Kraft aus der Beobachtung derNatur schöpfte, so kam er zu keinem abschließenden Dogma, zukeiner in sich feststehenden Lehre, was später zu vielen Mißverständ-