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Als Schoenlein 1811 an die Universität Landshut kam, fand erdort frisch pulsierendes Leben, namentlich in der medizinischenFakultät. Der Brownianismus hatte in Roeschlaub einen be-geisterten Vertreter gefunden, der das Gute an der neuen Richtungdnrch die Schwankung ius naturphilosophische Lager wieder verdarbund mit seinen „metaphysischen Anfangsgründen" in Lands-hut seine Meister faud. Philipp von Walther , der LehrerSchoenleins und Johannes Müllers war es, der dem Entdeckerder „Erregnngstheorie" entgegenrief, daß die Medizin nur dannwahre Fortschritte machen kann, wenn sie die ganze Physik, Chemiennd alle Naturwisseuschafteu ausnützt, überhaupt alle Hilfsmitteleiner objektiven Beobachtung heranzieht. In solcher Schnle auf-gewachsen, mußte Schoenlein notgedrungen den Rest von Schwär-merei sür die Naturphilosophie, der ihm als einein Kinde seinerZeit noch anhing, verlieren nnd wnrde der Mann, der diedeutsche Klinik umgestaltete.
1813 kam Schoenlein von Landshut nach Würzbnrg, wo ernicht nur das für damalige Verhältnisse großartige Jnliusspitalsand, sondern auch ein Schüler des berühmten EmbryologenDöllinger wurde,. der auch auf seine Doktorarbeit „von derHirnmetamorphose" einen bestimmenden Einfluß ausübte. AmSchlaffe der Vorrede zu dieser Arbeit, die eigentlich noch unterdem Banne der philosophischen Richtung geschrieben ist, enthülltSchoenlein fast Programmatisch sein späteres Leben: „Nach einemschweren Stnrme dringt endlich von allen Seiten die Überzeugunghervor, daß ganz allein ein kontemplatives Wissen, daß nur die An-schauung Wahrheit und Gültigkeit besitze." 1817 wurde Schoenlein Dozent in Würzbnrg nnd hielt seine ersten Vorlesungen überPathologische Auatomie, diejenige Disciplin, aus welcher er in seineinspäteren Leben seine scharfe Diagnostik zog und damit den Grundzu seinem Ruhme legte. 1824 wurde Schoenleiu ordentlicherProfessor für specielle Pathologie und Therapie und Vorstand derinneren Klinik. Wenn man die Namen der damaligen Lehrer inWürzburg Hort: d'Outrepont, Döllinger, Heusinger, dannbegreift man es, daß die wißbegierige Jugend nach Würzburg strömte, wie die Künstler erst durch Rom die rechte Weihe erhielten.