Lungensanatorien.
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Zorge getragen und in diesem Punkte vielfach sehr rigoros vor-gegangen, so daß man sich ost nicht des Gedankens erwehren kann,alle die Wohlthäter Hütten nur ein Ziel im Auge — eine mög-lichst hohe Heiluugs- und eine möglichst geringe Sterbeziffer. —Für die unheilbar Schwindsüchtigen giebt es keine Anstalten undauch keine Frennde, obgleich gerade diese Sorte von Patienten amersten pflegebedürftig ist und die größte Gefahr für die Umgebungbildet. Daß solche Patienten am allerwenigsten in öffentlicheSpitäler gehören, in denen sie nur ihre tuberkelfreieu Kameradeninfizieren, liegt auf der Hand — und doch hat die Jetztzeit nochkein anderes Retiro für dieselben. Nur ihre glücklichen Leidens-gefährten, die eine kleine Dämpfuug haben, wenig siebern, wenigHusten zeigen, kurzum die voraussichtlich auch sonst in guter Luftund Pflege ausheilbaren Fälle, — um diese reißen sich dieSanatorien; den Schwerleidenden, den aufgegebenen Krankenmnß, wie wir schon betonen konnten, erst noch ein Sanatoriumgeschaffen und auf sie muß die allgemeine Aufmerksamkeit gelenktwerden. Erst danu kann man von einer genügenden Fürsorge süralle diejenigen, die von der konsumierenden Krankheit befallen sind,sprechen, erst daun sind die Gesunden genügend gegen die von allenSeiten drohende Infektion geschützt.
Ans dem Kongreß für innere Medizin im Jahre 1887 präzisierteDettweiler den Begriff der Dauerluftkur, wobei er speciell be-tonte, daß auch die Psychische Behandlung der Kranken nicht ausden Augen gelassen werden darf. Er verlangte, daß die Patienten,selbst wenn sie geringes Fieber haben, in gedeckten, offenen Hallenstundenlang im Freien liegen müssen, wobei sie natürlich gegen dieEinflüsse der Witterung (Wind, Nebel) zn schützen sind. In denhöheren Regionen nimmt mit der Erhöhung und mit der Abnahmeder Bevölkerung auch die Neiuheit der Luft zu, sie wird bacillen-freier, worauf die Höhenluftschwürmer immer hingewiesen haben,uns will aber scheinen, daß ein Ort, auch wenn er noch so bacillen-freie Luft gehabt hätte, doch durch den Aufenthalt vieler Lungen-tranker wieder hygieinisch-bakteriologisch verschlechtert wird. Durchdie Dünnheit der Luft werden die peripheren Blutgefäße erweitertund damit die Blutüberfüllung der Lunge vermindert, was von