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VIII. Innere Medizin und deren Hilfswissenschaften.
andere baktericide Mittel ersetzt wurde, hat an dem Grundgedankendieser Therapie nichts geändert. Ob es aber mit diesen Mittelngelingt, den Körper für das Wachstum und die Vermehrung derTuberkelbacillen ungeeignet zu machen, scheint nach den neuestenForschungen zum mindesten fraglich geworden zu sein. Kreosotwurde außer von Sommerbrodt von Jaccond nnd von Fraentzelgerühmt, sowie von G. See, der auch die Anwendung des Terpiusempfiehlt. — Daß man die sogenannte Roborantia (Chinin, nuxvomiea, Eisen, Arsenik) vielfach in Gebrauch genommen hat, ist beider die Kräfte des Körpers schwächenden Krankheit selbstverständlich,besonders die Arsenpräparate wurden von H. Buchn er hervor-gehoben, weil sie die Thätigkeit der Zelleu anregen sollen. —- Znden roborierenden Methoden ist auch die Hydrotherapie zu zählen,die sich gerade bei der Schwiudsuchtsbehandluug viele Freunde ge-wonnen hat. Wenn auch die reiueu Wasserheilanstalten Tuber-kulöse aus naheliegenden Gründen nur ungern aufnehmen, so wirddas Wasserheilverfahren doch in Tuberkulosesanatorien eifrig ge-pflegt uud damit eine allgemein kräftigende und auch das Fieberherabsetzende, den Husten günstig beeinflussende, den Appetit an-regende Wirkung ausgelöst.
Neben der Hydrotherapie spielt die Balneotherapie derTuberkulose eine große Rolle. Besonders die kalkhaltigen Quellenvon Lipp springe erfreuen sich großeu Ansehens. G. See rät zuden Arsenwässeru, und die natronhaltigen Kohlensänerlinge vonGießhübl und Selters finden Anwendung bei der Bekämpfungder Bronchialkatarrhe. Schwere Anämien schickt mau in die Stahl-bäder. Die Kochsalzquellen werden gut vertragen; die Glau-bersalzwässer dürfen nur verordnet werden, weuu die Ernährungnicht schon Schaden gelitten hat. Es giebt fast keine Quelle, welchein der Phthiseotherapie, namentlich im Ansaugsstadium nichtempfohlen worden wäre, aber man muß berücksichtigen, daß insolchen Fällen weniger die Quelle selbst heilt, als die Entfernungaus ungünstigen häuslichen Verhältnisse!?, die Anregung desAppetits, der längere Ausenthalt in reiner Luft. — Von zweifellosemWerte sind die Milchkuren und die Kuren mit den MilchproduktenKnmys, Kefyr uud Molken; am meisten haben sich neben den