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Geschichte der organischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert : Medizin und deren Hilfswissenschaften, Zoologie und Botanik / von Franz Carl Müller
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Tuberkulosebehandlmig,

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Hoffnungen, die man allgemein auf das neue Mittel fetzte, nichterfüllt wurden. Noch den meisten Einfluß schien das Tuberkulin beidem ja auf tuberkuloser Basis entstehenden Lupus zu habeu, aberbald zeigte sich, daß auch da die Heilungen nur vorübergehende warennnd daß sich eine Immunisierung gegen den Tuberkelbacillus beiden Menschen nicht auf die Dauer durchführen läßt. In einerHinficht aber nützt die Einspritzung des Tnberkulins doch denMenschen, indem sie die Tuberkulose der Rinder vermindert unddamit eine wesentliche Anstccknugsquelle verstopft wird. Außerdemhat man gesehen, daß die nach den Einspritzungen sich einstellendereaktionäre Entzündung nicht selten einen günstigen Einfluß auf denAblauf lokalisierter und allgemeiner Tuberkulose hatte und mannahm daher andere entzündungserregende Mittel, z. B. das Can-tharidin, dessen Herrschaft jedoch nur eine kurz dauernde war.Dagegen hat die Eiuführung der Zimmtsäure und ihrer Salzein den Kreislauf (Lau derer), die an Stelle der erkrankten Partieneine entzündliche Bindegewebswncherung erzeugen soll, vielen Bei-sall gefunden. Cantani nahm einen Antagonismus zwischenden Tuberkelbacillen und dem L^terium tsrmo an und injizierteseinen Kranken daher Kulturen des letzteren. Die von Floraund Testi unternommenen Nachprüsungen haben ergeben, daß dieMethode keine Erfolge verspricht. Bergeon ließ 200500 Aschwefelhaltiges Mineralwasser, das mit Kohlensäure gesättigt war,in den Darm injizieren und nahm an, daß das vom Blute auf-genommene und durch die Lungen wieder ausgeschiedene Schwefel-hydrogen heilende Wirkung habe, aber auch seine Theorie wurdednrch die Praxis nicht anerkannt.

Nach diesen vergeblichen Versuchen, der Krankheit Herr zuwerden, ging man zur inneren Antiseptik über, d. h. man gabinnerlich Medikamente, welche antiparasitär wirken sollten. DiesenGedanken hatte man schon in der vorbakteriellen Zeit, wo mandie Tuberkulose uoch als einen Fäuluisvorgang ausfaßte und des-halb Theer- uud Chloreinatmungen verordnete. AusgedehnteAnwendung erfuhr dieses Heilverfahren, nachdem Sommerbrodt(1887) seine Kreosotbehandlung angegeben hatte, die heute nochviele Anhänger hat; daß im Laufe der Jahre das Kreosot durch