Kehlkopfoperationen.
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Zu den kühnsten Operationen gehört die Exstirpation des'Kehlkopfes wegen Krebs, welche zum ersten Male in England vonP. H. Watson (1866), zum ersten Male in Deutschland vonBillroth 1873 vorgenommen wurde. Für den BillrothschenFall konstruierte Gußeubauer einen künstlichen Kehlkopf, mit demder Kranke vernehmlich sprechen konnte. Seit dieser Zeit wurdedie Operation häufig gemacht und auch der Ersatzkehlkopf wesentlichverbessert. — Zum Schlüsse der Ausführungen über die Fortschritteder Laryngologie darf nicht vergessen werden, daß es unter derLeitung des Spiegels geliugt, am Kehlkopf selbst Operationen vor-zunehmen, zu welchen man früher die Tracheotomie machen mußte.So werden Polypen entfernt; das Glüheisen wird gebraucht, Ver-wachsungen werden durchtrennt. Von großem Interesse ist auchein Apparat, den Labus in Mailand konstruiert hat, mit welchemman das Operieren am Kehlkopf lernen soll. Er stellt das Modelleines normalen Kehlkopfes dar; sobald man mit Instrumenteneingeht und trifft nicht auf die von vornherein beabsichtigte Stelle,sondern berührt z. B. vorher eiuen Muskel, so tritt durch Schlußeiuer elektrischen Kette ein Verschluß des Apparates ein, so daßsich also der Schüler jederzeit kontrollieren nnd die nötige Sicherheitin der Führung der Instrumente aueignen kann.
Dem Tübinger Victor von Bruns (1812—1883), der 1862die erste blutige Operation im Kehlkopsinnern machte, indem ereinen Polypen ausschnitt, verdanken wir eine Reihe von wertvollenArbeiten auf dem Gebiete der larhngoskopischen Chirurgie. Derschon erwähnte Voltolini beschäftigte sich auch mit den Nasen-krankheiteu. Jacob Gottstein (1832—1895) beschrieb „DieKrankheiten des Kehlkopfes nnd der Luftröhre" in einemBuch, das in verschiedene fremde Sprachen übersetzt wurde. DerMünchener Laryngologe Philipp Schech (geb. 1845) übt umfassendepraktische und litterarische Thätigkeit. Unter den Franzosen wärenzn uennen: Emil Jsambert (1827—1876) und Charles Fauvel (1830—1895), unter den Engländern namentlich Morell Mackenzie (1837—1892), der durch die Behandlung des Kaisers Friedrichauch in Deutschland allgemein bekannt und, wie man wohlsagen kann, verkannt wurde. — Der Deutsche Louis Eisberg