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Geschichte der organischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert : Medizin und deren Hilfswissenschaften, Zoologie und Botanik / von Franz Carl Müller
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408 Innere Medizin und deren Hilfswissenschaften.

als 1820 Sertürner und Peletier aus der bis dahin ausschließ-lich gebrauchten Chinarinde das Chinin isoliert hatten, da begannder Siegeslauf dieses Mittels um die ganze Welt. Die ersten,welche das Mittel in seinem ganzen Werte würdigen konnten,waren die Pioniere der Kultur in den Tropen, denen sich späterdie Nfrikaforscher anschlössen. Da Gefahr bestand, daß durch rück-sichtsloses Vorgehen die Chinabäume ausgerottet würdeu, so hatdie holländische uud die englische Regierung Pflanzungen angelegt,welche in erfreulicher Blüte stehen. Um die Erforschung derWirkungen des Chinins im physiologischen Sinne machten sichneben älteren Autoren aus dem 18. Jahrhundert Morton undBinz verdient. Die Verkleinerung der Milz unter der China-wirkung studierte Pages am lebeuden Hunde, die Versuche wurdenspäter von Mosler uud Bochefontaine wiederholt.

Eine genaue Kenntnis der Entfieberung konnte erst eintreten,nachdem man die Thermometrie am Krankenbette durchgeführt undausgebildet hatte. Dieses geschah um das Jahr 1860 uud die1867 herausgegebenen Veröffentlichungen Liebermeisters, diespäter durch Experimente am gesunden Menschen von Juergense nkontrolliert wurden, konnten volle Klarheit schaffe!?. Die Heil-wirkung des Chinins bei der Malaria hat eine große Litteraturhervorgerufen und ist allgemein bekannt. In zweiter Linie be-handelt man das Fieber mit salicylsaurem Natrou, welchesnamentlich bei rheumatischen Affektionen sich großer Beliebtheiterfreut. Es wird nach dem Vorgange von Kolbe durch die Ein-wirkung von Kohlensäure auf trockeues Pheuoluatrium gewonnen.Nach den Untersuchungen von Buchholz und Koch hat es bakte-rieide Eigenschaften, gilt bei den meisten fieberhaften Krankheitennur als ein symptomatisches Mittel und ist beim akuten Gelenk-rheumatismus bis heute noch dnrch kein anderes Heilmittel ver-drängt worden, trotzdem man ihm die verschiedensten Schädlichkeitenimputiert und die Entstehung der Endocarditis (ohne Berechtigung)auf die Darreichung der Salicylsäure zurückgeführt hat. Sehrrasch vergessen wurde das von Filehne angegebene Kairin; auchdie Herrschast des Antipyrins, welches namentlich in der letzte»großen Jnslueuzaepidemie eine große Rolle gespielt hat, war nicht