Hervorragende Irrenärzte.
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in einem Zustande von Bewußtlosigkeit oder in einem die freieWillensbestimmnng ausschließenden Zustande krankhafter Störungder Geistesthätigkeit eine gesetzeswidrige Handlung unternommenhat, auch civilrechtlich nicht haftbar ist. —
Die meisten Ärzte, die sich um die Psychiatrie verdient gemachthaben, konnten wir im vorstehenden schon anführen; nachzutragenwären noch: Amelung, Pelmann, Erlenmeher, HeinrichHoffmann , Koeppe, Leubuscher, Karl F. W. Nasse, Solbrig,Hageu, Laehr, Ludwig Meyer, Zinn , v. Mundy, Brierrede Boismont, Calmeil, Elam, Skae, Winslow, Hammond,Nicco, Tamburini, Guislain und Kjellberg. — FrauzAmelung, eiu Neffe Hufelands (1788—1849) war zu eiuerZeit Irrenarzt, wo man noch ans alten Klöstern Anstalten machte.Ihm gelang es, in Hvsheim (Hessen-Darmstadt) ein solchesKloster zu einem Krankenhaus umzugestalten, welches znr damaligenZeit in seiner Einrichtung an der Spitze stand. Frühzeitig trat er sürdie cerebrale Grundlage des Irreseins eiu uud behandelte diePsychosen auch dementsprechend medikamentös. Er erlag einerWunde, die ihm ein Geisteskranker beigebracht hatte. — AdolfAlbrecht Erlenmeyer (1822—1877) gründete 1848 die heutenoch florierende Anstalt in Vendorf, die er 1866 dnrch eineAbteilung für Nervenkranke nnd 1367 dnrch eine landwirtschaftlicheKolonie vergrößerte. Er ist einer der Gründer des Korrespondenz-blattes und Archives der Deutschen Gesellschaft fürP sychiatrie uud gerichtliche Psy ch olvgie. Sein SohnFriedrich Albrecht (geb. 1849) gründete das „Centralblatt sürNervenheilkunde, Psychiatrie und gerichtliche Psycho-pathologie" und machte sich namentlich durch eine Arbeit über dieMorphiumsucht bekannt. HeinrichHosfmann (1809—1894) riefdie Frankfurter Irrenanstalt ins Leben, die 1864 eröffnet wurde.Er war weniger litterarisch als praktisch thätig uud galt als einvorzüglicher Organisator. Auf den Versammlungen der Irrenärztewar er durch seinen goldenen Humor berühmt und beliebt, ihmverdankt die Jugend den in aller Welt bekannten „Struwwelpeter ",dessen Entstehung er in der Vorrede mit launigen Worten schildert.