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1840—1850,
Mustern abhängig. Gerade weil ihm die Bedeutung des poetischenErlebnisses noch nicht aufgegangen war, geriet er in Gefahr, nurzu „übersetzen", uur zu versisicieren, wie es Platen so oft gegangenwar. Als Ganzes sind die Gedichte kanm etwas anderes als eineÜbersetzung von Victor Hugos ,0risntÄleZ«) die eben (1828) er-schienen und mit dem größten Jubel aufgenommen waren. Der fran-zösische Dichter hatte sich gegen Bedenken über das phantastischeKoloritseiner orientalischen Balladen verteidigt. „Wer hat dem Antordie Idee geben können, sich einen ganzen Band lang im Orient zu er-gehen? was bedeutet dies überflüssige Buch voll bloßer Poesie, dasmitten in die ernsten Beschäftigungen des Publikums hineinfliegt?"Dieser Verteidigung bedürfte der deutsche Dichter nicht,, für dender „Westöstliche Divan" mit seinem starken Gefolge sprach. Ermochte ruhig Victor Hugos Eigenart übernehmen: die Erneuerungdes Alexandriners, die gesuchten Bilder, die auffallenden Reime,die krassen Scenen — es ward als „Lokalkolorit" empfunden undmit Dank aufgenommen. Denn die Menge lechzte nach Poesie,nach bewegtem Leben, nach Buntheit. Es ist daher besonders be-zeichnend für Freiligrath, wie er es liebt, überall Buntheit zu er-zielen, Kontraste werden fortwährend gesucht und gehäuft. Kultur-koutraste: dem Beduinen in der Wüste wird die gedruckte Zeitunggezeigt; der ungläubig gewordene Dichter betrachtet seine Kinder-bibel. Geräuschkontraste: im Wirtshaus Sprachenlärm: im Biwakmischt sich der Ton des Chorals mit dem Geschrei der Spieler,auf der Messe wirbeln alle Instrumente durcheinander. Am liebstenaber — und das vor allem ist charakteristisch — Farbenkontraste,ost mit aufdringlicher Deutlichkeit. Der schwarze Arm ist gold-umreift. Der Mohr sällt; sein Blut wird „des Schwarzen Schar-lachgabc" genannt.
Wie weht zur grünen ErdeDem Schleier weiß und lang!
Im gelben Sandmeer glänzt ihr Rasen,Gleichwie inmitten von TopasenEin grüner, funkelnder Smaragd.
Wo diese Farbenkontraste nicht anzubringen sind, wird wenigstensdie einzelne Farbe stark aufgetragen, am liebsten eine solche, dieauch in der Malerei leicht exotischen Effekten dient. Braun, gelbund rot find die Liebliugsfarben des jungen Freiligrath, die ernicht müde wird in den Vers zu bringen: