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1840—18S0.
sich Bedenken. Wiederholt mahnt er sich selbst oder läßt sichmahnen, über Wüste und Ocean nicht Sommer und Lenz derHeimat zu vergessen:
Sei wach den Stimmen deiner Zeit!
Horch auf in deines Volkes Grenzen:
Die eigene Lust, das eigne Leid
Woll' uuS in deinem Kelch kredenzen!
Es bedürfte nur eines Anstoßes, nnd der „ausgewanderteDichter" kehrt aus den erträumten Palmen heim zu den Eichender Heimat.
Er war inzwischen nach Barmen, dann (auf alten Romantiker-boden) nach Uukel am Rhein übergesiedelt, hatte einer trefflichenTochter Weimars, die als Kind mit Goethes Enkeln spielte, seine ein-zigen beiden Liebesgedichte vorgesungen und zog (1841) mit derGattiu nach Darmstadt. Alexander von Humboldt , dem diese„Palmen- und Löwenpoesie" besonders gefallen mußte — wielebhaft hat er Bernardin de St. Pierre gepriesen! —, hatte ihmeine Pension von Friedrich Wilhelm IV. vermittelt. Er konnteein epiknreischer Poet werden, der wie Heinrich Stieglitz „Bilderdes Orients" entwarf, (wenn auch etwas realistischer und viel poe-tischer), und der so die Brücke zur Wirklichkeit verlor.
Aber schon in der ersten Sammlung hatte er gerusen:
Jedwede Zeit hat ihre Wehen;
Ein jnnges Deutschland wird ersteh».
Unhemmdar ist des Geistes Wellen,
Und vorwärts kann die Zeit nur gehn.Persöuliche Einflüsse wie der Hoffmanns von Fallerslebenkamen hinzn — und eiues Tages, wie Freiligrath mit einem Citataus seinem lieben Chamisso sagte, öffnete er die Augen über sichund sand sich im Lager der liberalen Politiker.
Das Jahr 1841 ist das Geburtsjahr der revolutionärenLyrik. Zweierlei traf in diesem Jahre zusammen, um „die Lawineins Rollen" zu bringen. 1840 dichtete Nikolaus Becker (1809—1845), der Enkel des letzten Bürgermeisters der freien Reichs-stadt Köln, gegen Alphonse de Lamartine (1790 —1869) sein„Rheinlied":
Sie sollen ihn nicht haben,Den freien deutschcu Rhein !
Der kleine Gerichtsschreiber ward dadurch auf einen Schlagein berühmter Mann; ans einer unbedeutenden Zeitnng ging