Druckschrift 
Die deutsche Litteratur neunzehnten Jahrhunderts / Richard Moritz Meyer
Entstehung
Seite
341
Einzelbild herunterladen
 

Die pvlitischen Liederdichter,

341

das Lied im Einzeldrucke, in der Sammlung seiner wertlosen Ge-dichte (1841), vor allem aber durch den Gesang der Liedertafelnund Gesangvereine in zahllosen Kompositioueu in allgemeinen Besitzüber. Es ist kein seltener Fall, daß geradeNationalhymnen"oder politische Lieder von durchschlagender Bedeutung Sängernangehören, die sonst ganz vergessen sind. So steht es mit Rougetde l'Jsle (17601836), dem Verfasser der Marseillaise , so beiuns mit August Daniel v. Binzer (17931868) aus Kiel ,der bei der Auflösung der Burschenschaft (1819) das wunderschöneLiedWir hatten gebauet ein stattliches Haus" dichtete und deshalbmit Recht zu den politischen Dichtern gezählt wird, so mit MatthäusFriedrich Chemnitz (18151870) aus dem holsteinischen Barm-stedt, dem Dichter vonSchleswig Holstein meerumschlungen "; sovor allem auch mit Max Schueckenburger (18191849) ausThalheim bei Tuttlingen in Württemberg , der freilich den welt-geschichtlichen Erfolg seinerWacht am Rhein " (November 1840)nicht erleben sollte: das viel trivialere Gedicht Beckers ließ keinanderes patriotisches Nheinlied in den Tagen jenesFranzosen-schreckens", der ersten nationalen Empörung gegen fremden Über-mut seit den Freiheitskriegen, aufkommen. Auch Schneckenburgerwar kein großer Dichter; aber in Tagen, da die nationale Empfin-dung hoch aufkocht, vermag gerade ein einfacheres, rein mit-schwingendes Gemüt kräftig wiederzugeben, was alle bedrängt,wie an der Bahre eines erschlagenen Häuptlings einst der erstebeste aus der Trauerversammlung hervorsprang und als Vorsängerfür den verwaisten Stamm klagte. Dies Los also war NikolausBecker zugefallen; und nun ereignete sich etwas Entscheidendes. Bisdahin hatten (wie Robert Prntz ausführt) die Ästhetiker und dieNegierenden gleich entschieden gegen daspolitische Lied" Stellunggenommen; jene verschmähten die Ausmünzung der verachteten Tages-fragen, diese fürchteten sie. Jetzt regnete es von den Fürsten Ehren-becher und Anerkennungen für den patriotischen Dichter; jetzt konntendie Kunstrichter sich dem ungeheuren Erfolg dieser politischen Dich-tung nicht länger verschließen.Jetzt wurde die politische Poesieeine Profession, ein Tagesgeschäft", schrieb schon 1843 HermannMarggraff , als er eine Sammlung politischer Gedichte herausgab.

Der zweite Umstand, der das Jahr 1841 zum Geburtsjahrder Revolutionslyrik machte, war ein Gedicht Freiligraths und seineFolgen. Aus seiner Sympathie mit jeder Tapferkeit heraus hatte