Hermcghs Ende,
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(1844) den zweiten Band der „Gedichte eines Lebendigen" er-scheinen — eine schöne Elegie („Heimweh": „Mich friert, mich friert!ich möcht' zn Hanse sein!"), eine witzige Doppelparodie Geibelsund Freiligraths (in Dnettform, wie A. W. Schlegel einst Voß,Matthisson und Schmidt von Werneuchen ein Terzett hatte singenlassen), eine große Zahl von Xenien, zum Teil sehr witzig, zumTeil fast leer, wie das bei Epigrammenhäufung so leicht geschieht.Seine Blüte war vorbei. Doch dem künstlerischen Sinken solltenoch Schlimmeres folgen. An der Spitze deutscher Arbeiter zoger in den badischen Ausstand, und seine Schar unterlag (27. April1848) bei Niederdossenbach dem württembergischen Militär. Erfin-dung ist es, daß er sich unter dem Spritzleder eines Wagens ver-steckt habe — Thatsache , daß er noch während des Gefechts entfloh,um dein allerdings sonst sicheren Tode zu entgehen. Damit warsein „totaler Ruin in der öffentlichen Meinung" entschieden, wie ihmKarl Vogt bescheinigte. Man erkannte, wie viel mehr Bramarbasdieser „thatendurstige" Agitator war als Held; ein Boulanger, keinNapoleon. Zu der maßlosen Verbitterung, der er sich nun im Exil,erst in Paris, dann in Zürich, schließlich wieder in Deutschland ,(in Lichtenthal bei Badeu-Baden, wo er 7. April 1875 starb), miteinem gewissen grimmigen Behagen ergab, hat gewiß eine verborgeneNeue und heimliche Beschämung mitgewirkt. Äußerlich freilich hielter sich „aufrechter als je". Wie der Hjalmar der „Wildente" lebteer, von seiner tapferen Frau und seinen Kindern als Herosbewundert, ein thatenloses Leben und gab sich jeder Form desEpiknreismus mit jener Energie hin, wie sie fast nur die Auto-didakten des Lebensgenusses besitzen. Daß dieser Hjalmar einmalein Dichter gewesen sei, merkte man den innerlich und äußerlichganz niedrig stehenden Schimpfversen nicht an, mit denen er bis-weilen noch seine Gegner bewarf:
Selbst der große Bettelpreuße,Bluutschli, euer Mntadvr,Kratzte sich, als hab' er Lause,Hinter seinem Staatsmauusohr,
Anfangs hatte er noch auf ein „großes Opus" hingewinkt,für das er „ein tüchtiges poetisches Kapital" zusammenbringenwollte. Nach der Revolution gab er alle Pläne auf. Eitel undhartherzig lebte er nur noch seinem Ruhm und seinem Wohlbefinden.Seinen Beifall konnte das neue Reich so freudig entbehren wie den