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Die deutsche Litteratur neunzehnten Jahrhunderts / Richard Moritz Meyer
Entstehung
Seite
391
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Haym. Justi, Nachfolger der politischen Historiker. 391

variierte Spielarten. Die Feinheit des alten klassisch-philologischenStils brachte Jakob Bernays (18241881) hinzu, dessen mitdurchgearbeiteter Eleganz geschriebene Aufsätze charakteristisch genugauch einen größeren unvollendeten Versuch über jenen glänzendenVorläufer derpolitischeu Historiker", den Engländer Gibbon, um-fassen.

Aber diese Verjüngung der Geschichtschreibung am politischenLeben der Gegeuwart hat uns nicht bloß eine so reiche Fülle histo-rischer Meisterwerke geschenkt wie keine andere Epoche der deutschenLitteratur. Wohl wäre das Verdienst schon groß genug, SybelsBegründung des Deutschen Reichs", MommsensRömische Ge-schichte", BurckhardtsKultur der Renaissance", Gregorovius'Wan-derjahre in Italien" hervorgebracht zu haben doppelt groß, wennman erwägt, daß diese Muster uachwirkten in der Geschicht-schreibung Treitschkes , in VezoldsGeschichte der deutschen Refor-mation" (1890), ErdmannsdörffersDeutscher Geschichte vomWestfälischen Frieden bis zum Regierungsantritt Friedrichs desGroßen" (1892), Reinhold KosersFriedrich dem Großen" (1890),Erich Marcks 'Kaiser Wilhelm I." (1897); in der Litteratur-geschichte vor allem bei Wilhelm Scherer ; in der klassischenPhilologie bei Hermann Nsener und Ulrich v. Wilamowitz-Möllendorff, denen allen eine beständige Nachprüfung der leiten-den historischen Ideen unter der Beleuchtung der Gegenwart sonatürlich ist wie eine kunstvoll-klare und daher gemeinverständlicheDarstellung.^ Auch das ist uicht das einzige Verdienst, das sichdie politischen Historiker um die deutsche Litteratur erworben haben,daß sie den unfruchtbaren Gegensatz radikaler und reaktionärerTendenzschreiberei überwinden halfen so bedeutend auch dieszweite Verdienst ist. Sie haben vor allem sich unsern Dank für dieSchriftsteller verdient, die aus ihrer Mitte und aus ihrer Schulunghervorgingen.

Zwar, für Johannes Scherr (13171886) werden nichtalle geneigt sein, den Anregern lebhaft zu danken fo lebhaft aucheinmal die Begeisterung einer ziemlich ausgebreiteten Genieinde fürdiesOriginalgenie" war. Scherr (zu Hohenrechberg in Württemberg geboren), ist weiten Kreisen der Typus desAchtundvierzigers" zueiner Zeit gewesen, in der dieser Typus uoch populär war. Er hatteja als Lehrer und Schriftsteller eifrig für die liberalen Ideen ge-kämpft, hatte in der Kammer und im Landesansschnß gesessen, war