Fontanes Sentenzen. 4g?
„Autodidakten übertreiben immer". „Heldentum ist Ausnahmezustand undmeist Produkt einer Zwangslage". „Jedes Beisammensein braucht einenSchweiger" („Stechlin ").
Die großen Gespräche, etwa über den preußischen Staat („Vordem Sturm" und „Schach v. Wuthenow") oder über Ungarn („GrafPetöfy"), über das historische Drama („Schach ") und über JakobsSöhne („L'Adultera"), über Mesalliancen („Stine ") und Diskretion(„Unwiederbringlich") — die könnten allenfalls noch aus der Technikder romantischen und jungdeutschen Romane herstammen, wenn sieauch dort durch ihre Lebenswahrheit alle anderen Dialoge undVorschläge totschlagen würden. Aber der Triumph FontanischerMaximenbildung sind die rein momentanen Apophthegmata. Essoll etwa dem General (in den „Poggenpuhls ") eine Spickgansvorgesetzt werden. Aber die ist von seiner Frau geschickt. „Thutnichts. Spickgänse kann man nicht unterscheiden." Auerbach hättedas auch sagen können; aber er hätte hinzugesetzt: „Das ist sym-bolisch".
Möglich, daß gerade hier bei Fontane französische Art durch-schlägt. Die Franzosen schwärmen für pointierte Definitionen; be-rühmte Witzlinge wie Rivarol haben nur durch ihre spitzigenGleichsetzungen Ruhm erlangt, ganze Bücher (wie das witzige „I^ivreck'oi-" der Comtesse Diana) sind mit solchen Spielen gefüllt. Da-neben aber ist doch auch an die deutsch -volkstümliche Neigung zumAusprägen von Sentenzen zu erinnern. Die Edda enthält somanchen Spruch, dessen Art und Ton an die von TheodorFontane erinnert.
Theodor Fontanes Romane zersallen in zwei Gruppen: diekleinere der Kriminalgeschichten und die größere und auch be-deutendere der „modernen Romane".
Die erste Gruppe zeigt ihn noch um den „interessanten Stoff"bemüht, den er später so energisch abthnt, wie Gottfried Keller das„spezifisch Poetische". Aber doch bildet auch hier schon der un-heimliche Vorfall wesentlich die Gelegenheit zur Entfaltung einesbreiten Zustandsbildes. „Grete Minde" (1880) ist eine „Chronik-novelle", der aber eiue wirkliche Chronik zu Grunde liegt, nicht wiedenen von Meinhold, Gottfried Keller, Theodor Storm eine fin-gierte. „Ellernklipp " (1881) behandelt, wie „Grete Minde",einen tragischen Konflikt innerhalb der Familie und teilt mit„Unter dem Birnbaum " (1886) eine gewisse Verwandtschaft