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1840—1850.
mit der Technik der Schicksalsdramen: ein bestimmter Ort fordertzu Mord nnd Buße heraus, wie in Annette v. Drostes „Juden-buche". „Quitt " (1891) nimmt die Kriminalgeschichte fast nurzum Anlaß, um eine Reihe von Genrebildern zu entwerfen; diegrößere Hälfte des Romans spielt in Amerika , und die bunteMenagerie kosmopolitischer Genrefiguren aus Frankreich, Polen ,Nordamerika und Ostpreußen wird fast nur durch Fontanes Lieb-lingsmittel, ein gemeinsames Fest, lose zu einer gewissen Einheitgebracht. Nordamerika liegt dem Verfasser so fern, wie Norddeutsch-land ihm vertraut ist; deshalb fehlt hier gerade, was sonst bei ihn:so mächtig den Figuren den überzeugenden Anschein gemeinsamerwirklicher Existenz verleiht: die Atmosphäre. Diese ist dagegen in„Ellernklipp " glänzend durchgeführt; auch die psychologische Ent-wickelung ist hier auf der Höhe: wie sich des Försters der Dämonbemächtigt, wie in dem Mädchen aus der Verstocktheit reizvoll dieLiebe aufblüht. Die Geschichte des Mädchcnherzens lag in vollsterBeleuchtung offen da vor dem Dichter von „Grete Minde", „Cecile ",„Stine", „Effi Briest ". — „Grete Minde", ein Oppositionsstückgegen Willibald Alexis ' Verherrlichung des altmärkischen Bürger-tums, zeichnet sich durch strenge Geschlossenheit der Handlung ans;es ist Fontanes einzige Novelle.
Viel bedeutender ist die andere Gruppe, die experimentellen,socialpsychologischen, kulturhistorischen — kurz die modernen Ro-mane. Sie geben in fortlausender Reihe eine Kritik des preußischenAdels und seines Ehrbegriffes, die „L'Adultera" uud „Frau JennyTreibel " durch ein Gemälde der Bourgeosie ergänzen. Politischstand Fontane dem preußischen Junker fern; aber zugleich bliebdiese merkwürdige Erscheinung immer das ausgesprochene Liebliugs-objekt seines Dichterherzens. Originalität, trotzigen Stolz, folge-richtiges Handeln suchte er hier vor allem. So schrieb Fontane Adelsromane aus ganz demselben Grunde, aus dem AnzengrnberBauerngeschichten schrieb: „weil er hier in einer interessanten Speziesdes Geschlechtes Mensch Eigenart und Typus besonders stark aus-geprägt sah".
„Vor dem Sturm " (1878) und „Schach v. Wuthenow"(1883) führen in die Epoche vor den Freiheitskriegen. „Vor demSturm" ist Fontanes spätes Anfängerstück. Er giebt hier nochganz harmlos der Freude an Gespräch und Porträt nach, hängteine Anzahl von Charakterbildern in sich folgenden Kapiteln will-