Druckschrift 
2 (1927)
Entstehung
Seite
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Denn obwohl sich niemand im unklaren darüber ist,was der Vertrag praktisch bedeutet, so widerstrebt esdoch ihrem Gefühl, ein kleines und wehrloses Volk,mit dem sie noch dazu verbündet sind, einer anderenMacht zu offensichtlich preiszugeben, und es könnteder Förderung unserer allgemeinen Beziehungen nurzugute kommen, wenn wir bei der Durchführung dieserkolonialen Besitzveränderungen auf ihre Vorurteileund Empfindlichkeiten einigermaßen Rücksicht nähmen.

Da ich immer mehr den Eindruck gewinne, daßSir E. Grey und die britische Regierungauf kolonialem Gebiete uns möglichstentgegenzukommen wünschen, teils umihren guten Willen zu zeigen, teils um demvermeintlichen Bedürfnis des deutschenVolkes nach Ausdehnung und Erwerb ge-wissermaßen eine Ablenkung zu ver-schaffen, so meine ich, daß die Annahme des briti-schen Entwurfs in seinen wesentlichsten Punkten einegünstige Gelegenheit schaffen wird, um für unsereweiteren Wünsche verständnisvolles Entgegenkommenzu finden. Lichnowsky.

AN DEN REICHSKANZLER VON BETHMANN HOLLWEG

London, 21. 2. 1913

S ir Edward Grey ließ mir zur vertraulichen Mit-teilung durch Sir Eyre Crowe folgendes sagen:

Der portugiesische Gesandte habe im Aufträgeseiner Regierung mitgeteilt, daß die in einzelnenOrganen der europäischen Presse aufgetauchten Nach-richten betreffend deutsch- englische Verhandlungenüber portugiesische Kolonien große Beunruhigunghervorgerufen hätten, zumal da zahlreiche Anzeichen

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