barungen von 1898 durch England im Jahre 1899 be-reits illusorisch gemacht wurden, würde doch nichtsehr zweckmäßig sein. Grey hat es wiederholt — ichglaube auch öffentlich — ausgesprochen, wieviel ihmdaran gelegen ist, die englische Politik von dem aufihr lastenden Odium der Unzuverlässigkeit zu be-freien. Es ist kaum zweifelhaft, daß sein zähes Fest-halten an der Entente und speziell auch die weit-gehende, durch den Wortlaut der Abmachungen von1904 nicht bedingte Gefolgschaft, die der MinisterFrankreich in der Marokkofrage hat zuteil werdenlassen, nicht zum wenigsten auf die Besorgnis zurück-zuführen war, anderenfalls den Ruf „perfidious Al-bion" wieder erschallen zu hören. Ich glaube, daß,wenn Sie ihm Ihre Besorgnisse über die Beurteilungzum Ausdruck bringen, die der englische Schachzugim Jahre 1899 in der Öffentlichkeit finden könne, dasseinen Eindruck nicht verfehlen würde. Grey ist ja,wie im Privatleben so auch politisch, zweifellos einSonderling und bedarf einer sehr vorsichtigen und ge-schickten Behandlung. Auf die scheinen Sie sichaber doch gerade zu verstehen. Ich erinnere Sie zumBeispiel an die Episode, als wir im vergangenenFrühjahr noch gewisse Zusätze zu dem preambleunseres Vertrages durchzusetzen wünschten. Siewaren damals sehr unzufrieden mit uns und haben,wie ich weiß, Ihrem Unmut über den hier herr-schenden „Bureaukratismus" und das uns mangelndeAugenmaß für das in England Erreichbare freien Laufgelassen. Um so erleichteter atmeten wir auf, als Siebald darauf melden konnten, Grey habe lachend dasZutreffende Ihrer Argumente anerkannt. So wurde daspreamble unseren Wünschen entsprechend amendiertund damit eine für unsere öffentliche Meinung sehrwesentliche Verbesserung des Vertrages erzielt. Um
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