Druckschrift 
2 (1927)
Entstehung
Seite
114
Einzelbild herunterladen
 

dieselbe Zeit schrieben Sie mir in einem Privatbriefvom 2. Juli, der mir vorliegt, in der Bagdadbahnfrageund der portugiesischen Frage hätten wir so ziemlichalles erreicht, was zu erreichen sei. Sie rietendringend zum Abschluß. Was haben Sie nicht in derZwischenzeit noch alles durchgesetzt durch ruhiges,zähes Festhalten an unseren Foderungen, ohne daßunsere Beziehungen zu England darunter gelittenhätten! Gute Beziehungen sind ja schließlich auchnicht Selbstzweck, sondern nur dann von Wert, wenndabei etwas Positives herauskommt. Die englischePolitik läuft auf eine nüchterne, konsequente, vonjeder Sentimentalität sich fernhaltende Verfolgung derenglischen Interessen hinaus. Es ist kein Grund vor-handen, warum wir nicht dasselbe System zur An-wendung bringen sollen. Es bedarf aber keinernäheren Begründung, daß die Veröffentlichung unsererVerträge über die portugiesischen Kolonien unseremInteresse nicht entspricht, wenn man die Vorteile undNachteile gegeneinander abwägt. (!) Ein gewisser Vor-teil liegt ja gewiß darin, daß wir nach Bekannt-werden der beiderseitigen Interessensphären das Ein-dringen englischen Kapitals in unsere Interessen-sphäre weniger zu besorgen haben. Dem steht aberals schwerer Nachteil der von portugiesischer Seitezu erwartende Widerstand gegen das Eindringenunseres eigenen Kapitals in den betreffenden Teilendes portugiesischen Kolonialbesitzes gegenüber. Wirhaben schließlich wie Sie wissen, mit großemWiderstreben dem englischen Wunsch nachgegebenund uns zu der Veröffentlichung bereit erklärt. Aller-dings konnten wir damals unmöglich annehmen, daßuns die englische Regierung eine so gewichtige Tat-sache wie den Abschluß des Windsor-Vertrages ver-schweigen würde. Ich kann Grey den Vorwurf nicht

114