Druckschrift 
2 (1927)
Entstehung
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länge, die gesamte Veröffentlichung hinauszuschiebenoder zu unterlassen, zum mindesten aber den Windsor-Vertrag auszuschalten.

Der Minister entgegnete, daß er von den Portu-giesen gedrängt werde, auch den letzten Vertrag zuveröffentlichen, daß er sich aber unseren Wünschennicht verschließen wolle, da er gern alles vermeidenmöchte, was vielleicht geeignet wäre, einen Schattenauf die öffentliche Stimmung zu werfen. Er sei auszweierlei Gründen seinerzeit auf die Neubearbeitungdes Vertrages eingegangen. Erstens, weil er durchVeröffentlichung desselben damals, wounsere Beziehungen nicht so günstig ge-wesen seien wie heute, der Welt habe denBeweis erbringen wollen, daß wir uns inwichtigen gemeinsamen Interessen ver-ständigen könnten, um dadurch auch unserebeiderseitigen Beziehungen zu verbessern, undzweitens, weil es ihm daran gelegen sei, mit Rücksichtauf Australien die Insel Timor aus dem Vertrageherauszubringen.

Unsere Beziehungen hätten sich inzwischen wesent-lich gebessert, so daß es nicht mehr notwendig sei,durch Veröffentlichung des Vertrages Stimmung zumachen. Unsere beiderseitige Interessensphäre seifestgelegt, und wir könnten zum Beispiel in derBenguellabahnfrage unsere Zwecke verfolgen. Unterdiesen Umständen läge auch für ihn augenblicklichkein Grund vor, zur Veröffentlichung zu schreiten.

Streng vertraulich erfahre ich, daß von französi-scher Seite heftige Vorstellungen hier erhoben wurdenüber den Inhalt unseres Vertrages, über den Einzel-heiten in Paris bekanntgeworden sind. Man nimmtdort namentlich Anstoß daran, daß Säo Thome undPrincipe in den Vertrag eingeschlossen wurden, da

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