Druckschrift 
2 (1927)
Entstehung
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AN DEN REICHSKANZLER VON BETHMANN HOLLWEG

London , 7. 5. 1914

H akki Pascha, den ich zufällig im Foreign Officetraf, bat mich um eine kurze Besprechung, derauch der Eisenbahnsachverständige Muchtar Bey bei-wohnte. Hakki Pascha erzählte, es sei Dschawid Beywegen der großen Arbeitslast unmöglich, jetzt vonKonstantinopel abzukommen. Nachrichten von dortzufolge sei er ausersehen, um die Berliner Verhand-lungen zu führen. Soweit er sich nach MitteilungenDschawid Beys und Muchtar Beys ein Bild machenkönne, hoffe er zu einem befriedigenden Ergebnis zugelangen.

Nur ein Punkt mache ihm Sorgen, und das seiRußland . Dies habe sich auf der Forderung eines De-legierten in der Dette publique so stark festgelegt, undes sei auch in der Öffentlichkeit so viel von diesemDelegierten als der wichtigsten Errungenschaft Ruß-lands bei Beendigung der Balkankrise gesprochenworden, daß ein Zurückweichen des PetersburgerKabinetts und Aufgabe dieses Wunsches ihm prak-tisch unmöglich erscheine. Soweit er den deutschen Standpunkt kenne, machten wir hinwiederum unsereZustimmung zur Ernennung eines russischen Dele-gierten davon abhängig, daß ein zweiter deutscherDelegierter ernannt werde und das Präsidium zwischenDeutschland, England und Frankreich abwechsle.Seinen Nachrichten zufolge setze dagegen Frankreich diesen deutschen Wünschen erheblichen Widerstandentgegen, während Rußland ohne Gewährung einesDelegierten sicher nicht der Zollerhöhung zustimmenwürde. Aus dieser Frage drohe, so schloß HakkiPascha , seiner Auffassung nach dem ganzen müh-samen Vertragswerk, soweit es die Zollerhöhung an-betreffe, Gefahr.

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