Der Voranschlag bewegt sich innerhalb der Gren-zen, die ziemlich allgemein in politischen Kreisen alswahrscheinlich angenommen wurden. Die hauptsäch-lich auf der unionistischen Seite des Hauses ver-tretenen Anhänger gesteigerter Rüstungen hätten eslieber gesehen, wenn statt fünf sechs Schlachtschiffeverlangt worden wären. Dieser Wunsch findet viel-fach in der Presse, unter anderem auch in der „Times“,Ausdruck. In den radikalen Blättern klagen Friedens-freunde und Abrüstungsschwärmer über die wennauch geringe Erhöhung der Ausgabe für die Seewehr.Soweit man aus dem ersten Eindruck schließen darf,ist man aber auf beiden Seiten mit dem Entwurf leid-lich zufrieden, so daß stürmische Erörterungen kaumzu erwarten sind. Vielfach wird die für das Flug-wesen ausgesetzte Summe als zu gering bemängelt.Manche Parlamentarier halten eine Nachforderunghierfür für wahrscheinlich.
Erinnert man sich an die erbitterten Preßfehdenund aufreizenden Erörterungen der englisch -deutschenFlotten Verhältnisse und des Verhältnisses beiderLänder zueinander, die in den letzten Jahren eine an-scheinend unvermeidliche Begleiterscheinung der Be-ratungen über das Flottenbudget waren, so muß dies-mal die allgemein herrschende Ruhe, die Abwesenheitjedes aufreizenden Hinweises auf die deutsche See-wehr als besonderes Kennzeichen der gegenwärtigenStimmung verzeichnet werden. Verschiedene Politikerhaben gesprächsweise auf diesen geradezu auffallendenGegensatz im Verhalten der öffentlichen Meinung hin-gewiesen. Es steht zu hoffen, daß auch während derDebatten jedes Wiederaufleben der alten deutsch-feindlichen Stimmung vermieden werden wird.
Lichnowsky.