Druckschrift 
2 (1927)
Entstehung
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AN DEN REICHSKANZLER VON BETHMANN HOLLWEG

London , 27. 3. 1913

I n der gestrigen Parlamentssitzung gab der ErsteLord der Admiralität, Mr, Winston Churchill , seinejährliche ausführliche Erklärung über das englischeFlottenprogramm ab. Die Kostenvoranschläge, sagteer, wiesen eine bedeutende Steigerung auf, die nichtso sehr auf die Konstruktion von Dreadnoughts zurück-zuführen sei als auf fünf andere Gründe. Die Zahl derSchiffe hätte infolge des neuen deutschen Flotten-gesetzes zugenommen, womit ein entsprechendes An-wachsen der Besatzungen und der Gehälter verbundensei. Zweitens sei ein weiteres Anwachsen in Größe,Schnelligkeit, Panzerung und Kosten aller Schiffs-gattungen zu verzeichnen. Drittens verlangten neueDienstzweige, Ölheizung, Luftschiffahrt und Verbesse-rungen in der drahtlosen Telegraphie bedeutendeMittel. Viertens seien die Preise für Material und dieLöhne noch weiter gestiegen. Fünftens seien nochrückständige Ratenzahlungen für Schiffsbauten derletzten zwei Jahre zu zahlen, die daher herrührten,daß die Werften ihre Kontrakte nicht rechtzeitig aus-geführt hätten. Die Anschläge für dies Jahr würdennoch beträchtlich höher gewesen sein, wenn dieWerften nicht so außerordentlich überlastet wären.Es hätte deshalb keinen Zweck, große Summen vomParlament zu verlangen, die dann doch nicht verbautwerden könnten. Er habe deshalb seinem Voranschlagnicht so sehr die Ausführung des Flottenprogrammsals vielmehr das Maximum der Leistungsmöglichkeitender Werften zugrundegelegt. Falls sich noch im Laufedes Jahres eine schnellere Ausführung des Flotten-programms ermöglichen lassen sollte, so würde ergezwungen sein, dem Parlament einen Nachtrag zuseinem Voranschlag zu unterbreiten. Sowie sich ein

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