Druckschrift 
2 (1927)
Entstehung
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über kriegerische Absichten verfolgen.Ich bin hierbei von der Voraussetzung ausgegangen,daß unser Flottengesetz im wesentlichen in der be-stehenden Fassung erhalten bleibt und nicht etwadurch plötzliche, unvorhergesehene Neubildungen undNeuforderungen der hiesigen öffentlichen MeinungAnlaß zur Beunruhigung gegeben werde. Auch ohneEinschränkung unseres bestehenden Bauprogrammsglaube ich auch heute noch, daß sich die im Laufe desvorigen Winters vollzogene Annäherung ohne Preis-gabe irgendwelcher deutscher Interessen wird weiterbefestigen und vertiefen lassen.

Als eine weitere Grundlage ungestörter politischerZusammenarbeit betrachte ich gleichfalls eine vor-sichtige Zurückhaltung gegenüber allen Versuchen, zueinem sogenannten Flottenabkommen zwischen beidenLändern zu gelangen. Die Erfahrung hat bereits ge-lehrt, wie schwierig es ist, für die Grundlagen einessolchen eine beide Teile befriedigende, vollkommeneinwandfreie Formel zu finden, die nicht ver-schiedenen Auslegungen zugänglich und deren Durch-führung möglich wäre, ohne daß auf der einen oderanderen Seite der Verdacht der Unredlichkeit undUnaufrichtigkeit entstünde. Wie Kapitän von Müllerüberzeugend nachweist, sollte auf britischer Seite diefür die world protection bestimmte Flotte für die Ver-hältniszahl gar nicht in Betracht kommen, wohl aberfür den Krieg.

Wenn Herr Churchill nunmehr plötzlich mit demGedanken eines naval holiday, also einer Ein-schränkung der Rüstungen hervortritt, so ist wohl an-zunehmen, falls wir nicht geneigt sind, ihn etwa mitHerrn Carnegie auf dieselbe Stufe zu stellen, daß erhierfür einen Zeitpunkt gewählt hat, der den briti-schen Interessen besonders entspricht, und daß er sich

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