Druckschrift 
2 (1927)
Entstehung
Seite
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unter allen Umständen eine glänzende Rolle spielenwill, so wird es notwendig sein, seine Eigenliebe zuschonen und alles zu vermeiden, was als eine Blamagefür ihn erscheinen könnte, selbst wenn der tatsäch-liche Erfolg seiner Anregungen, wie ich voraussehe,dem von ihm vertretenen Plane nicht entsprechensollte. Seinen Einfluß auf die auswärtige Politik derRegierung möchte ich im übrigen nicht überschätzen.Für letztere sind Sir Edward Grey und Mr. Asquithmaßgebend, und ich glaube nicht, daß Mr. ChurchillsAnsichten sehr schwer ins Gewicht fallen, schon weilman ihn für unberechenbar und sprunghaft hält.

Lichnowsky.

AN DEN REICHSKANZLER VON BETHMANN HOLLWEG

London , 23. 6. 1913

W enn ich mich auch mit den Schlüssen, zu denender diesseitige Marineattache am Ende seinesinteressanten Berichtes Nr, 461 vom 20. d. Mts. überden naval holiday gelangt, vollkommen einverstandenerklären kann und ebenso wie Kapitän von Müllerdie Ansicht vertrete, daß es sich nicht empfiehlt, aufeinen diesbezüglichen Vorschlag Mr. Churchills, fallser an uns damit herantreten sollte, einzugehen, somöchte ich doch den genannten Ausführungen einigeBegleitworte hinzufügen.

Seit meiner Berufung auf den hiesigen Posten habeich den Standpunkt zu vertreten gesucht, daß es mög-lich sein wird, zwischen uns und Großbritannien trotzder Tripelentente und trotz der Flottenfrage ver-trauensvolle und freundschaftliche Beziehungen an-zubahnen, falls wir hier nicht den Verdacht erwecken,daß wir innerhalb Europas Ausdehnungspolitik be-treiben und insbesondere Frankreichgegen-

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